Dienstag, 7. Mai 2013

Versteckte Botschaften? Heavy Metal-Kids brauchen keine!

Heavy Metal-Musik – genauer, der zugehörigen Lyrik und Bildsprache – wird ja des Öfteren zum Vorwurf gemacht, sie sei wahlweise infantil oder Gewalt verherrlichend. Für den Fan im Teenageralter hatte das seinerzeit regelmäßige Zusammenstöße zur Folge: mit den Eltern („Hörst Du wieder diese Teufelsmusik?“), der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (wie sie damals noch ganz analog hieß), die immer ausgerechnet die  Autopsy-Shirts mit den coolsten Motiven indizierte, der Musiklehrerin, die einem selbige in ihrem Unterricht zu tragen Verbot, oder auch Gleichaltrigen, von denen man sich dumme Sprüche („Heavy Metal, nix im Schädel“) anhören musste. Global wurde diese Konfliktlinie mit der sogenannten „Satanic Panic“, die unter anderem im Prozess gegen Judas Priest, die mit versteckten Botschaften auf ihren Platten den Selbstmord der Jugendlichen James Vance und Raymond Belknap verursacht haben sollten, ihren Ausdruck fand und die Dank philistrischer Wirrköpfe wie dem Buchautor Ulrich Bäumer („Wir wollen nur Deine Seele“) Ende der 80er auch diesseits des Atlantiks um sich griff.
Nun, Väter, Mütter, Lehrer und Prüfstellen, wisset, euer Kampf war und ist vergebens! Denn "ES" ist von Anfang an in uns. Was Eltern unter dem Thread "What isthe creepiest thing your child has ever said to you?” an gruseligen Erlebnissen mit ihrem Nachwuchs beim Webforum Reddit eingestellt haben, könnten locker Zitate aus den Textblättern von Cannibal Corpse oder Slayer sowie diversen Horror-Klassikern wie „Poltergeist“ oder „ The Sixth Sense“ sein.


Der BGB hat für ein paar besonders verstörende Highlights herausgefischt:
My toddler went through a phase where she would just constantly say 'hi' to things. "Hi hi hi hi hi hi". One day, it came out sounding more like "Die die die die die".  I say to her "What's that you're saying?"And she turns to face me and just whispers "Diiiieeeeeee......."

When I was about 3 we had a cat that had still born kittens. I asked my father if we could  make crosses for them, which he did. As he was making them I asked: "aren't those too small?",

Dad: "What do you Mean?"
Me: "Aren't we going to nail them to them?"
Dad: (after several moments silence) "We're not going to do that"
Me: "oh"

5 year old: "Mommy, when you die I want to put you in a glass jar so I can keep you and see you forever" To which the 6 year old responds: "That's stupid. Where are you gonna find a jar that big?"


A friend of mine's child told him "Daddy, I love you so much that I want to cut your head off and carry it around so I can see your face whenever I want."

My cousin was thrown out of a preschool for taking off his shoe and telling a nun: "Shut up or I'll take out your eye with my shoe 'cause I'm the son of the devil."

Dad: "Go back to sleep, there isn't anything under your bed". Child: "He´s behind you now". 


Während solche Sprüche ja noch als bizarrer Kinderhumor durchgehen, sind andere wirklich etwas unheimlich:


Child: "Before I was born here, I had a sister, right? Her and my other Mom are so old now. They were ok when the car was on fire, but I sure wasn't!" 


When my little sister was younger she used to walk around the house with a picture frame with a picture of my great grandpa in her hands crying and saying "I miss you Harvey." Harvey had died before even I was born. Other than this common occurrence my mom told me that she would constantly say things that my great grandma Lucy would say.


When I was about 4, I would remember talking to "Mr. Peterson" whenever I was at my grandmother´s house. He looked like a hobo from the great depression and had a guitar and sang me old timey blues, he told me that he died when he fell of a train he was riding whist drunk on moonshine. I stopped seeing him when I was about 6. Anyway, 6 months ago I found my dad´s old acoustic guitar and started playing, and my little cousin told me "Mr. Peterson is proud of you!" and left.


When I was a kid "Mr. Rand" used to come into my room 4 or 5 times a week. He'd talk to me and tell me about 'stuff' and how he was killed in WW2. See Ol' mate Rand was a figment of my 4 year old imagination. Any way one day when I was 9 or so Mr. Rand stopped showing up. Fast forward to about 3 years ago and my son, who is about 5 at the time, walks out of his room one night at about 11:30 and says there's a man in his room. I flip out and run in his room to find nobody to which he then says "Mr. Rand said, you can't see him anymore, but he's ok!". 


A friend of mine was six years old when she told her mother that "the lady who used to live here told me, that she hates the wallpaper" and that "you are covering her note". My friend´s mom just thought it was make believe rambling and forgot about it. Well, twelve years later when the mom is redecorating and taking down the wallpaper in the attic, she finds a suicide note scratched into the wall. 


Ob man diese Geschichten beklemmend findet oder nicht, mag vom persönlichen Glauben abhängen. Aus anderen Einträgen hingegen spricht einfach die nackte Angst:


„My daughter told me she wanted to live with me and my wife forever. She's 17.”






Sonntag, 5. Mai 2013

Kunst statt Pflastersteine - Erin Currier und Anthony Hassett malen für eine gerechtere Welt

Erin Currier und Anthony Hassett  gehören zu jenen Menschen, die bei Demos in der ersten Reihe marschieren. Das amerikanische, in Santa Fe lebende, Künstlerpaar ist tief der Autonomen Szene der USA verwurzelt. Erin  arbeitet in der Tradition lateinamaerikanischer Murals, östlicher Ikonographie und des sozialistischen Realismus. Für ihre Collagen und Gemälde verwendet sie Abfall, den sie auf ihren Reisen gesammelt hat. Ihre Werke erzielen Preise im gehobenen Segment. Zu den Käufern gehören Hollywood-Stars wie Bernardo Bertolucci, John Cusack oder Whoopi Goldberg genauso wie Gitarrist Carlos Santana oder Hugo Chavez. Anthony füllt mit Vorliebe schwarze Notizbücher mit Bildpaaren gegensätzlicher ja bitarrer Motive: ein Taliban mit Kalaschnikof und Armstumpf auf der einen, ein onanierender orientalisch aussehender Jüngling auf der anderen Seite, Huren, Transvestiten, Mörder, prügelnde Polizisten. 

Anlässlich ihrer ersten Ausstellung in Deutschland im kleinen Karlsruher Kulturzentrum Kohi , sprach der Rockblog mit den beiden Malern.

BRB: Erin, Anthony, bitte charakterisiert einmal kurz die Kunst des andern.
Anthony: Erins Kunst hat eine narrative Dimension. Auf ihren Reisen malt und zeichnet sie unentwegt, wie sich ein Autor Notizen macht  (Allein während unseres gemeinsamen Abendessens fertigt sie zwei Zeichnungen, Verf.). Servietten, Flyer von Clubs, Kötztüten aus Fliegern – alles bemalt Erin. Sie zeigt den Kampf der Menschen für eine sozialere Welt. Es ist die Welt der kleinen Leute. Die Motive meiner Kunst hingegen sind die Raubtiere unserer modernen Welt und ihre Opfer. Wenn Kunst heute keine soziale oder politische Dimension hat, ist sie nur eine ästhetische Fingerübung. Das interessiert mich nicht.
Es sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Wir wohnen sozusagen in der gleichen Straße, haben aber verschiedene Adressen.
Wie habt ihr euch kennengelernt?
Anthony: Vor 16 Jahren in einem Kaffee. Erin bediente dort, ich war Kunde.
Erin: Er war aus seinem Stammkaffee rausgeflogen und kam von da an regelmäßig in meines.
Anthony: Wir saßen gemeinsam auf der Türschwelle, rauchten und lachten. Seitdem waren wir immer zusammen, bis auf ein Jahr. Da nahmen wir uns eine Auszeit voneinander.
Ihr macht keinen Hehl daraus, dass ihr mit der politischen Situation in eurem Heimatland nicht einverstanden seid. Könnt ihr das ein wenig präzisieren?
Anthony: Ich glaube dass das politische System heute verdorbener ist als vor fünfzig Jahren. Damals waren sich die US-Bürger zumindest der Tatsache bewusst, dass sie in einem Polizeistaat leben – schließlich wurden sie bis 1961von einem General regiert (Dwight D. Eisenhower, Verf.). Kennedy war ein Lichtblick, aber Nixon hat das Land dann endgültig runtergezogen. Heute steht doch viel mehr auf dem Spiel. Die Ressourcen, um die die Großmächte konkurrieren, sind knapp. Der Kapitalismus ist völlig ungezähmt. Die Politiker sind gekauft – heute arbeiten sie für Halliburton, morgen sitzen sie im Kabinett. Jeder liebt zum Beispiel Clinton, aber er hat viele der Gesetze, die die heutigen Probleme Mitverursacht haben, erst auf den Weg gebracht.
Ist es in Europa denn besser?
Anthony: Nein, die ganze Welt ist abgefuckt. Und leider weiß ich das ganz genau, denn ich bin ständig auf Reisen.
In den vergangenen zwölf Jahren habt ihr gemeinsam 40 Länder bereist, darunter auch politische Brennpunkte, wie Lateinamerika oder Südostasien.
Anthony: Zum Beispiel waren wir drei Wochen nach der Absetzung  von Mubarak auf dem Tahir Platz. Wir hatten im Libanon Freunde besucht und reisten spontan nach Kairo. Die Leute sahen uns und waren einfach nur baff. Sie sagten, wisst ihr nicht, dass hier gerade eine Revoution stattfindet. Wir sagten, deshalb sind wir hier.
Erin: Angst hatten wir dort nie. Nur die US-Regierung schürt die Angst vor diesen Menschen. Wenn man aber hinfährt und mit ihnen spricht, ist alles ganz anders. In Kairo kannst du mit jedem, der dir auf der Straße begegnet eine vernünftige politische Diskussion führen, was man LA zum Beispiel nicht behaupten kann.
Anthony: So ist es eigentlich überall auf der Welt, die Leute sind im Grunde cool. Die Machtstrukturen sind das Problem.
Wir erleben in Deutschland gerade einen ziemlichen Hype der Idee, die Abgaben für Besserverdienende müssten erhöht werden, obwohl die Steuereinnahmen sprudeln, wie nie zuvor. Geht der Kampf um eine sozialere Welt automatisch mit einer Abneigung gegen reiche Leute einher?
Erin: Nein, aber ich  denke, man kann reich sein, ohne andere Menschen auszunutzen und die Umwelt übermäßig zu strapazieren.
Anthony: Ich glaube, wirtschaftlicher Austausch ist in Ordnung, auch mit Geld als Zahlungsmittel. Allerdings sollte dieses Zahlungsmittel einen reellen Gegenwert haben. Nicht umsonst fungierte Gold in früheren Zeiten als Währung. Der Dollar hingegen ist doch nur noch eine einzige Lüge.
Erin: Wir allerdings führen ein einfaches Leben. Wir haben kein Haus, keine Kreditkarten und teilen uns einen alten Truck. Ansonsten besitzen wir nur ein paar Bücher. Ich würde unsere Lebensweise als eine Art Robin-Hood Recycling bezeichnen.
Erin, Du nennst „Sozialistischen Realismus“ als Einfluss. Kannst Du dir vorstellen, dass das einigen Menschen, deren Familien unter den Repressalien der kommunistischen Diktaturen in Europa zu leiden hatten, sauer aufstößt?
Erin: Meine Kunst ist vom sozialistischen Realismus der Amerikas beeinflusst, etwa von revolutionären Wandbildern in Mexiko. Mit Stalinismus europäischer Prägung hat das überhaupt nichts zu tun.
Anthony: Um die Welt zu ändern, brauchen wir auch gar keine Revolution. Es würde schon völlig genügen, das Spiel nicht mehr mitzuspielen. Die Menschen sind heute doch traumatisiert vom modernen Leben. Sie gehen einem Job nach, den sie hasen und abends kommen sie nachhause und hassen vor lauter Frust ihre Familien.
 Die Werbung zeigt uns Bilder von glücklichen Paaren, die beide lächelnd in ihre separaten i-phones glotzen und sich gegenseitig ignorieren. Du benutzt weder dein Hirn, weil du alles nur noch online nachschaust, noch dein Herz. Stattdessen verbringst du deine Zeit damit, am Bildschirm kleine Hunde und Katzen aufzuziehen. In Wahrheit ist so ein Dasein lächerlich, langweilig und dumm!
Oder nimm zum Beispiel die Cloud. Die Cloud ist ein Witz. Sie ist nichts anderes als ein Ort, an dem die Regierung problemlos auf all deine persönlichen Daten zugreifen kann. Wer ist bescheuert genug, so etwas zu benutzen?
Erin: Es wird uns auch ständig vorgegaukelt, digital wäre besser. Ich glaube hingegen, dass Bücher oder der Akt des Malens erhaltenswerte Kulturgüter sind.
Anthony, du hast mal bei William S. Burroughs studiert. War das während seiner Zeit am New York City College?
Anthony: Nein, das war auf der „Jack Kerouac School of Disembodied Poetics“. Sie gehörte zur Naropa University, die Chögyam Trungpa gegründet hat.
 Dieser verrückte buddhistische Mönch? 
Anthony: Genau der. Er hatte so eine Art Leibgarde, die Vajra Guard, und wenn er mit einer der Studentinnen Sex haben wollte, haben die das klargemacht. Jedenfalls unterrichteten dort viele Poeten der Beat Generation wie Allen Ginsberg, Anne Waldeman und eben Burroughs. 
Die ganzen Bekloppten also?

anthony: Hahaha. Ja, die ganzen Bekloppten. Es war einfach nur Großartig! Leider haben sie dort in Boulder, Colorado, auch nukleare Sprengköpfe hergestellt. Dagegen haben wir demonstriert, dabei wurde es etwas ungemütlich. Ich kam für drei Monate in den Knast und musste schließlich den Staat verlassen. 
Info: KOHI-Kulturraum zeigt "Saints, Soldiers, Scholars and Psychos" ab Samstag, 27. April, 19 Uhr, bis voraussichtlich Ende Mai. Geöffnet während der Veranstaltungen.







Samstag, 4. Mai 2013

Musikalischer Ego-Shooter - Amplifier



Klein gibt es nicht bei Amplifier. Zwar verbeugen sich die Prog-Rocker aus Manchaster auf ihrem aktuellen Longplayer „Echo Street“ mehr vor den sphärischen Pink Floyd als den Hochbauingenieuren Rush, live aber  ist das Trio an diesem Dienstag, 30. April, im Substage zum Quintett aufgeblasen. Und die dreiköpfige Sechs-Saiten-Hydra entfacht Gitarrenstürme, die in der Lage sind, nicht nur ein Paar baufällige Farmhäuser, sondern  gleich eine mittelgroße Landstadt in magischeLänder zu katapultieren.
Doch wir greifen vor. Den Anfang im trotz Europapokalschlager recht gut besuchten Club macht Charlie Barnes. Nur in Begleitung einer Akkustik-Gitarre taucht er plötzlich mitten im Publikum auf. Erstmal Skepsis! Doch entpuppt sich der schmächtige Brite schnell als wahrer Einmann-Symphoniker. Mit elektronischer Hilfe singt er mit sich selbst im Kanon und unterlegt die Chöre mit fein vor aller Augen und Ohren verwobenen Klangteppichen. Beeindruckend!
Dann betreten Sel Balamir und seine Collaborateure die Bühne. Überraschend: Der Sänger und Songwriter hat sich vom Zausel im T-Shirt zum akkurat frisierten Hemdträger gewandelt. Doch vom feinen Zwirn soll man sich nicht täuschen lassen! Amplifier sind Schwerarbeiter. Ein ums andere Klanglabyrinth von nahezu daidalischer Komplexität errichten sie, durch dass sich ein anabol aufgepunpter Sgt. Pepper den Weg gegen allerlei ausgeflippte Kreaturen – sie haben rosa Tentakel – freiboxen muss. Den Soundtrack  zu diesem musikalischen Ego-Shooter bilden Riffs, so bedrohlich wie ein ausser Kontrolle geratener Öltanker – ins Bild passend: als zusätzlicher Gitarrist ist Steve Durose, von den inzwischen aufgelösten Oceansize dabei –  auf dessen Brücke sich gerade Yes und ELP, den totalen Riss geben – egal, wohin die Reise geht. Don´t try this at home, kids! Oder anders gesagt, für Menschen, die zu epileptischen Anfällen neigen, ist das hier nix! Zum Glück nimmt man regelmäßig Dampf vom Kessel und dümpelt ein wenig auf dem topographischen Ozean herum, bevor es erneut mit Rammgeschwindigkeit weitergeht.
Klar, auf Dauer wirkt das ewig wiederkehrende Laut-dann-wieder-leise-Spielchen etwas eintönig, aber man  muss doch eines sagen: auf jeden Gewittersturm folgt Sonnenschein. Wer wollte sich darüber beschweren!

Freitag, 3. Mai 2013

Er hat uns vom Pop befreit! - Zum Tod des Slayer-Gitarristen Jeff Hanneman



Besser kann man die Bedeutung von Jeff Hanneman nicht zusammenfassen: „Du du hast mich als Kind vom Pop befreit“, schrieb ein Fan im Internet unter die Todesnachricht des Slayer Gitarristen, der am Donnerstag in einem Krankenhaus in Südkalifornien an Leberversagen gestorbenen ist. Jeff Hanneman war nicht einfach ein Gitarrist, er war DER Metal-Gitarrist – allenfalls überragt von seinem Bandkollegen Kerry King.  Beide trafen sich 1981 in Huntington Park und gründeten Slayer, die neben Bands wie Exodus und Metallica als Wegbereiter des Thrash-Metal galten. Bis heute haben Slayer elf Alben veröffentlicht und laut Billboard-Magazin etwa fünf Millionen Tonträger verkauft.
Vor zwei Jahren hatte sich Hanneman wahrscheinlich durch einen Spinnenbiss Nekrotisierende Fasziitis zugezogen, eine Infektion, die die Haut absterben lässt. Hanneman war deswegen in den letzten Jahren mehrfach operiert worden und konnte nicht mehr mit Slayer spielen, wo er durch den Exodus-Gitarristen Gary holt vertreten wurde. Aus der Öffentlichkeit hatte sich der stets schweigsame Hanneman fast völlig zurückgezogen, trotzdem glaubte seine Band bis zuletzt an seine Rückkehr. Vom plötzlichen Tot ihres Kollegen zeigten sich die verbliebenen Slayer-Mitgliedervöllig überrascht.  Ob sein Leberversagen mit der Fasziitis zusammenhängt, ist bislang offenbar nicht bekannt. Jeff Hanneman wurde 49 Jahre alt.
Bereits auf ihren ersten beiden Alben, "Show No Mercy" (1983) und "Hell Awaits" (1985), die einem letalen Cocktail aus aggressivem, unbangbar schnellem Punkrock mit ultrahartem Metal ihr faustisches Potential an. Doch erst mit "Reign in Blood" kam es 1986 zur vollen Entfaltung. Ein wahrer Behemoth von einer Platte, das Adepten extremer Musik als das bislang brutalste, kompromissloseste und hasserfüllteste Metal-Werk aller Zeiten gilt.
Selbst aus diesem Vinyl-gewordenen Schlachtgetümmel, zu dessen düsterer Atmosphäre Hanneman mit seinem bellizistischen Spiel maßgeblich beitrug – besonders seine Soli gehen unter die Haut wie das kriechende Chaos  Nyarlathotep – sticht noch ein Song heraus wie ein Leopard 2-Kampfpanzer auf dem Kundenparkplatz eines Einkaufszentrums: „AngelOf Death“. Die Kombination aus der geballten Feuerkraft peitschender Drums, mit messerscharfen Stahlnägeln bewehrter Bass-Panzerung und todbringender Fingerfertigkeit und Präzision des Killer-Riffs speienden Zwillingsgeschützes King/Hanneman machen diese Nummer zum ultimativen Thrash Metal-Destillat – Größer und mächtiger als irgendetwas real existierendes. Wer nach diesen 4:51-Minuten Stahlgewitter noch jemals das Bedürfnis verspürt, ein Michael Bublé-Album aufzulegen, dem ist nicht mehr zu helfen.
Komponiert oder vielmehr von der Kette gelassen wurde „Angel Of Death“ von Jeff Haneman. Auch den nicht unumstrittenen Text, dem die Gräueltaten von  KZ-Arzt Josef Mengele zugrunde lagen und der die ohnehin harte Realität noch mit pechschwarzer Fantasie potenzierte, steuerte der Gitarrist bei (Auch bei der Entstehung weiterer Klassiker wie "Raining Blood", "Seasons in the Abyss" und "South of Heaven" hatte er seine flinken Hände im Spiel).
In der Folge wurde der blonde Raiders-Fan, der seine Gitarren gerne auch mit unzweideutigen Symbolen verzierte, immer wieder mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert, die er ebenso lapidar abblockte, wie Anwürfe, er oder seine Band seien Teufelsanbeter: Er sei kein Satanist, Gott gehe ihn einfach nichts an.
Zu seinem bevorzugten Sujet, dem Tod, hatte Hanneman vorgeblich ein neutrales bis entspanntes Verhältnis. Dem Rock Hard sagte er einmal in einem Interview: „Wenn wir sterben, sind wir tot. Mausetot. So einfach ist das! Das bedeutet, dass man sein Leben genießen sollte, denn es ist schneller vorbei, als man denkt. Und für jene, die uns ein schönes Leben versauen wollen, schreiben wir unsere Texte.“ In diesem Sinne: ruhe in Frieden, Jeff Hanneman!