Montag, 26. April 2010
Vortrag zur History von KA-Rockcity
Karlsruhe ist eine junge Stadt, aber geschichtsträchtig, rockgeschichtsträchtig. Mit den amerikanischen Besatzern kam auch die Rock’n’Roll-Rebellion in die biedere badische Beamtenmetropole. Erste Bands entstanden und tingelten durch die Armeeclubs. Das war der Beginn von sechzig aufregenden Musik-Jahren. Sechzig Jahre in denen sich Heiko Räther und der Autor sich bestens auskennen. Ersterer hat die Szene seit den späten 60ern als DJ in den Karlsruher Clubs geprägt und hält locker den lokalen Konzertbesuchsrekord, letzterer beschäftigt sich schon Lange mit der Geschichte der Karlsruher Rockszene und hat sie journalistisch begleitet und aufgearbeitet. Die beiden Experten führen launig und beredt durch die Karlsruher „Rockhistory“, spielen Songs, plaudern aus dem Nähkästchen und haben sich außerdem interessante Gesprächspartner eingeladen: Unter anderen werden als „Zeitzeugen“ dabei sein: Rudi Metzler, Horst Meinzer (Prussic Acid, Poseidon) und Werner Kühn (Prisma), mi 28.4., 20Uhr, Jubez, Karlsruhe.
Sonntag, 28. März 2010
The Twang
A Guide To Modern Country Living, heißt die neue Platte von The Twang. Am Samstag stellte die Braunschweiger Country und Western-Formation ihre CD im Kulturzentrum Brunsviga vor. Schon fünfhundert Meter vor dem Club staksten die ersten Hutträger auf ihren – scheinbar selten getragenen – Cowboystiefeln umher, vor dem Eingang herrschte ein Gedränge wie beim Viehtrieb in Abilene.
Es ist das vierte Album der Country und Western-Formation, aufgenommen an so abenteuerlichen Orten wie Houston und Austin in Texas. Den letzten Schliff bekam es in den legendären, durch finanzielle Schieflage des Plattenkonzerns EMI mittlerweile vom Verkauf bedrohten, Londoner Abbey Road Studios. Wie kommt eine Combo aus der Region zu so einer internationalen Produktion? „Wir sind finanziell nicht von der Musik abhängig“, erklärt Sänger Hank Twang, „deshalb zahlen wir uns keine Gagen aus, sondern erfüllen uns lieber solche musikalischen Träume.“ Um diese Unabhängigkeit zu bewahren hat das Sextett seine Karriere bewusst auf dem Level Halb-Profi eingefroren: „Wir hatten zwei Angebote von großen Major-Plattenfirmen, die haben wir abgelehnt.“ Wie viel Erfolg mit dem „Countryfizieren“ populärer Songs möglich ist, haben Chartstürmer wie die Hamburger Texas Lightening, mit Comedy-Star Olli Dittrich am Schlagzeug, oder Boss Hoss aus Berlin gezeigt. Hank sieht es gelassen: „Wir waren die Ersten, die so was gemacht haben, und wie ich das sehe, werden wir auch die letzten sein.“
Könnte durchaus so kommen, denn an Ideen für irre Adaptionen, wie auf der neuen CD nachzuhören ist, herrscht bei The Twang kein Mangel: Kim Wildes „Kids in America“ präsentieren sie als Western Swing, wie ihn Leute wie Wayne "The Train" Hancock heute spielen, die Dire Straits Schmonzette „Brothers in Arms“ als treibenden Rockabilly. Originell auch die Idee, „A Whiter Shade Of Pale“ von Procol Harum mit Ennio Morricones Jill-Thema aus dem Once Upon a Time in the West-Soundtrack zu kombinieren oder die Trucker-Version des Songs „Rehab“. Auch wenn man Hank Twang das ironische Selbstportrait der Skandal- und Drogennudel Amy Winehouse mit seinem Berti Vogts-Charme nicht so recht abnehmen will. Manchmal kann solch ungezügelter Eklektizismus auch zu Missverständnissen führen. So hatten The Twang für ihre Version von „I kissed A Girl“ der Popsängerin Katy Perry den Lap Steel-Gitarristen Herb Remington im Studio. Stutzig machte den Texaner die Textzeile, „I kissed a Girl and I liked it, I hope my Boyfriend don´t mind it“. „Wer von euch Typen hat diesen Song geschrieben?“, fragte der 82-Jährige verblüfft.
Getrost als Ausfälle bezeichnen kann man „Breaking The Law“, Evergreen der mächtigen Judas Priest, und Monster Magnet´s Powerhit „Spacelord“ sowie Ralph Siegels Ballermann-Smasher „Genghis Khan“. The Twang sind am stärksten, wenn es schmalzig wird. Genial Terry Jacks´ Schmachtfetzen „Seasons In The Sun“ im Walzertakt oder Lionoel Richies Tränendrüsenstimulans „Hello“, basierend auf „Wish You Were Here“ von Pink Floyd. Sogar richtig berühren können die Braunschweiger, mit „Heroes“ von David Bowie.
Zurück zum Konzert: Zunächst machte Johnny Falstaff die Leute heiß. Mit der Instrumentalabteilung von The Twang im Rücken zog der waschechte Texaner mit Strohhut und buschigem Backenbart eine Rockabilly Show erster Kajüte ab. Höhepunkt: eine Hochgeschwindigkeits-Version von Hank Williams Juniors „Big Mamou“, an deren Ende Falstaffs Geigenbogen nur noch in traurigen Fetzen hing; Killer.
Nach diesem Feuerwerk hatten es die Hausherren in ihren Western-Anzügen, wie vom Cowboy-Versand Sheplers, nicht leicht. Erschwerend hinzu kam das Publikum, vornehmlich im gesetzteren Alter, eher Tom Astor als Hank Williams III. Böse Blicke erntete, wer zwischendurch mal Bier holen ging, obschon im Saal nicht gerade Enge herrschte. „Habt ihr es dann bald“, ermahnte ein ungefähr zwei Meter fünfzig großer Anzugträger, der sich soeben genau im Blickfeld platziert hatte – ausgerechnet - mich und meinen Bekannten. Gespräche während der Musik sind in Rock-Clubs heutzutage offenbar wider die Etikette, genauso wie Rauchen auf Open-Air-Konzerten. Trotzdem, The Twang gaben nicht auf und nach spätestens einer Stunde hatten sie die Menge im Griff. Spielfreude und eine gute Songauswahl sind eben durch nichts zu ersetzen.
Es ist das vierte Album der Country und Western-Formation, aufgenommen an so abenteuerlichen Orten wie Houston und Austin in Texas. Den letzten Schliff bekam es in den legendären, durch finanzielle Schieflage des Plattenkonzerns EMI mittlerweile vom Verkauf bedrohten, Londoner Abbey Road Studios. Wie kommt eine Combo aus der Region zu so einer internationalen Produktion? „Wir sind finanziell nicht von der Musik abhängig“, erklärt Sänger Hank Twang, „deshalb zahlen wir uns keine Gagen aus, sondern erfüllen uns lieber solche musikalischen Träume.“ Um diese Unabhängigkeit zu bewahren hat das Sextett seine Karriere bewusst auf dem Level Halb-Profi eingefroren: „Wir hatten zwei Angebote von großen Major-Plattenfirmen, die haben wir abgelehnt.“ Wie viel Erfolg mit dem „Countryfizieren“ populärer Songs möglich ist, haben Chartstürmer wie die Hamburger Texas Lightening, mit Comedy-Star Olli Dittrich am Schlagzeug, oder Boss Hoss aus Berlin gezeigt. Hank sieht es gelassen: „Wir waren die Ersten, die so was gemacht haben, und wie ich das sehe, werden wir auch die letzten sein.“
Könnte durchaus so kommen, denn an Ideen für irre Adaptionen, wie auf der neuen CD nachzuhören ist, herrscht bei The Twang kein Mangel: Kim Wildes „Kids in America“ präsentieren sie als Western Swing, wie ihn Leute wie Wayne "The Train" Hancock heute spielen, die Dire Straits Schmonzette „Brothers in Arms“ als treibenden Rockabilly. Originell auch die Idee, „A Whiter Shade Of Pale“ von Procol Harum mit Ennio Morricones Jill-Thema aus dem Once Upon a Time in the West-Soundtrack zu kombinieren oder die Trucker-Version des Songs „Rehab“. Auch wenn man Hank Twang das ironische Selbstportrait der Skandal- und Drogennudel Amy Winehouse mit seinem Berti Vogts-Charme nicht so recht abnehmen will. Manchmal kann solch ungezügelter Eklektizismus auch zu Missverständnissen führen. So hatten The Twang für ihre Version von „I kissed A Girl“ der Popsängerin Katy Perry den Lap Steel-Gitarristen Herb Remington im Studio. Stutzig machte den Texaner die Textzeile, „I kissed a Girl and I liked it, I hope my Boyfriend don´t mind it“. „Wer von euch Typen hat diesen Song geschrieben?“, fragte der 82-Jährige verblüfft.
Getrost als Ausfälle bezeichnen kann man „Breaking The Law“, Evergreen der mächtigen Judas Priest, und Monster Magnet´s Powerhit „Spacelord“ sowie Ralph Siegels Ballermann-Smasher „Genghis Khan“. The Twang sind am stärksten, wenn es schmalzig wird. Genial Terry Jacks´ Schmachtfetzen „Seasons In The Sun“ im Walzertakt oder Lionoel Richies Tränendrüsenstimulans „Hello“, basierend auf „Wish You Were Here“ von Pink Floyd. Sogar richtig berühren können die Braunschweiger, mit „Heroes“ von David Bowie.
Zurück zum Konzert: Zunächst machte Johnny Falstaff die Leute heiß. Mit der Instrumentalabteilung von The Twang im Rücken zog der waschechte Texaner mit Strohhut und buschigem Backenbart eine Rockabilly Show erster Kajüte ab. Höhepunkt: eine Hochgeschwindigkeits-Version von Hank Williams Juniors „Big Mamou“, an deren Ende Falstaffs Geigenbogen nur noch in traurigen Fetzen hing; Killer.
Nach diesem Feuerwerk hatten es die Hausherren in ihren Western-Anzügen, wie vom Cowboy-Versand Sheplers, nicht leicht. Erschwerend hinzu kam das Publikum, vornehmlich im gesetzteren Alter, eher Tom Astor als Hank Williams III. Böse Blicke erntete, wer zwischendurch mal Bier holen ging, obschon im Saal nicht gerade Enge herrschte. „Habt ihr es dann bald“, ermahnte ein ungefähr zwei Meter fünfzig großer Anzugträger, der sich soeben genau im Blickfeld platziert hatte – ausgerechnet - mich und meinen Bekannten. Gespräche während der Musik sind in Rock-Clubs heutzutage offenbar wider die Etikette, genauso wie Rauchen auf Open-Air-Konzerten. Trotzdem, The Twang gaben nicht auf und nach spätestens einer Stunde hatten sie die Menge im Griff. Spielfreude und eine gute Songauswahl sind eben durch nichts zu ersetzen.
Samstag, 30. Januar 2010
Die Neue von Shy Guy At The Show
Shy Guy At The Show sind einfach anders. Nichts an dieser Band ist gewöhnlich, nichts fantasielos, nichts langweilig. Bei der Verpackung fängt es an: „The Birth Of Doubt“ steht auf dem schwarzen Karton von der Größe eines Taschenbuchs, drinnen liegt ein Heft, ein Comic. Die Seiten sind in Schwarz-Weiß gehalten, die Bilder verstörend und von kühler Ästhetik. Es scheint um einen Engel zu gehen, der dem Himmel den Rücken kehrt, um sich den Menschen zuzuwenden. Erst darunter die CD, vom Cover hält der Engel dem Betrachter einen angebissenen Apfel entgegen, ein Verweis auf den Sündenfall. Riecht nach Konzeptalbum! Und tatsächlich: Jedem Song ist statt Text ein erklärender Strip zugeordnet. Ein gelungener Einfall. Doch nun zur Musik: In gewohnter Manier vereinen SGATS düsteren Goth-Rock mit Indie- und Elektroelementen. Insgesamt ist Birth Of Doubt härter und gradliniger als seine Vorgänger, aber in seiner klanglichen Opulenz und Vielfalt auch irgendwie barocker. Die Spannweite reicht von progressivem Wahnsinn (“The Birth Of Doubt”, “Your Church Is Grotesque”), über Sisters-Of-Mercy-Rocker („Paris Is In Flames“, „House Of Elsewhere“), Industrial-Stampfer (“Beverly Hills”), bis zu orientalischen Klängen („The Dance“) und schließlich ganz leisen Tönen („Meditation“, bei dem Sebastian Emlings tiefe Stimme nur von Klavier umspielt wird). Ein großartiges Album, das ihr hier bestellen könnt. (mex)
Samstag, 16. Januar 2010
Record Release: Shy Guy At The Show
Einigen ist sicher aufgefallen, dass ich den Blog in letzter zeit nicht mehr in der gewohnten Regelmäßigkeit aktualisiert habe. Das liegt daran, dass es mich beruflich nach Braunschweig verschlagen hat. Die thematischen Schwerpunkte werden sich also zwangsläufig ein wenig verschieben - keine Angst, es wird auch in Zukunft mehr als Nur Berichte über Such A Surge geben.
Seid sie 2006 das erste Mal auf dem Karlsruher „New Bands Festival“ in Erscheinung traten, sind Shy Guy At The Show die etwas andere Band aus der Südpfalz (Die Bandmitglieder stammen aus Lustadt, Leimersheim, Hördt und Rheinzabern, geprobt wird in Wörth)– nicht umsonst verweist schon ihre Namensgebung auf das Thema Desintegration. Irgendwie verstörend und doch faszinierend, seltsam beängstigend und doch mitreißend sind diese Außenseiter, die Musik für Absinthtrinker spielen, aber trotzdem jedes Bierzelt zum beben bringen können, wenn sie nur wollen. Musikalisch sind SGATS zwar bei weitem nicht die einzigen, die sich auf Vorbilder wie Sisters of Mercy, Depeche Mode und Joy Division, oder auch bahnbrechende deutsche Bands wie Kraftwerk und Camouflage berufen, aber Welche andere Band käme heute auf die Idee, ein Konzeptalbum aufzunehmen, dessen wahnwitzige Geschichte eines namenlosen Engels, der dem Paradies den Rücken kehrt, um von den Menschen die Kunst des Zweifelns zu erlernen, auf Goethes Prometheus aufbaut? Welche andere Band käme darüber hinaus auf die Idee, diesem, statt Texten, einen 50-seitigen Comicband beizulegen, in dem sie die tragischen Helden dieser Saga selbst darstellt? Und welche andere Band stellte in Zeiten von DSDS und Atzen-Musik bitte Podcasts zu Cormac Mc Carthy, Herman Melville und Edgar Allan Poe ins Internet, wenn sie nach ihren literarischen Einflüssen gefragt wird? „Die Musik ist ja nur ein potentieller Weg, sich ein komplexes Konzept, wie das von ‚The Birth Of Doubt’ zu erschließen“, sagt Sebastian Emling, Sänger und künstlerischer Vordenker des multimedialen Mammutprojekts. „Besonders reizvoll und fordernd an der Produktion war zweifellos die multidirektionale Herangehensweise. Literatur spielte dabei neben Fotografie und Filmkunst(letzte Arbeiten mit einer preisgekrönten holländischen Filmcrew am Musikvideo wurden erst kürzlich abgeschlossen, Verf.) eine ebenso große Rolle als Inspirationsquelle, wie die Orientierung an bestimmten musikalischen Vorbildern. So wird der Comic auch auf der CD enthalten sein, blättert man ihn virtuell durch, werden gleichzeitig die betreffenden Songtextpassagen als Spoken Word eingespielt.“
Über ein Jahr haben die Arbeiten an The Birth of Doubt gedauert, jetzt stellen SGATS das Ergebnis ihrer Forschungsreise in außermusikalische Sphären endlich vor. „Das vergangene Jahr hat uns künstlerisch, körperlich und vor allem auch finanziell nahezu alles abverlangt. Doch wir sind mehr als stolz auf unser Werk und brennen darauf, es endlich, endlich live vor ein leibhaftiges Publikum zu bringen,“ sagt Emling mit einem erwartungsfrohen Funkeln in den Augen. Am Samstag, 23.1., um 20Uhr, im Karlsruher Club Die Stadtmitte wird es soweit sein. Als besondere Gäste mit dabei sind Tones Of Home aus Schweden.
Seid sie 2006 das erste Mal auf dem Karlsruher „New Bands Festival“ in Erscheinung traten, sind Shy Guy At The Show die etwas andere Band aus der Südpfalz (Die Bandmitglieder stammen aus Lustadt, Leimersheim, Hördt und Rheinzabern, geprobt wird in Wörth)– nicht umsonst verweist schon ihre Namensgebung auf das Thema Desintegration. Irgendwie verstörend und doch faszinierend, seltsam beängstigend und doch mitreißend sind diese Außenseiter, die Musik für Absinthtrinker spielen, aber trotzdem jedes Bierzelt zum beben bringen können, wenn sie nur wollen. Musikalisch sind SGATS zwar bei weitem nicht die einzigen, die sich auf Vorbilder wie Sisters of Mercy, Depeche Mode und Joy Division, oder auch bahnbrechende deutsche Bands wie Kraftwerk und Camouflage berufen, aber Welche andere Band käme heute auf die Idee, ein Konzeptalbum aufzunehmen, dessen wahnwitzige Geschichte eines namenlosen Engels, der dem Paradies den Rücken kehrt, um von den Menschen die Kunst des Zweifelns zu erlernen, auf Goethes Prometheus aufbaut? Welche andere Band käme darüber hinaus auf die Idee, diesem, statt Texten, einen 50-seitigen Comicband beizulegen, in dem sie die tragischen Helden dieser Saga selbst darstellt? Und welche andere Band stellte in Zeiten von DSDS und Atzen-Musik bitte Podcasts zu Cormac Mc Carthy, Herman Melville und Edgar Allan Poe ins Internet, wenn sie nach ihren literarischen Einflüssen gefragt wird? „Die Musik ist ja nur ein potentieller Weg, sich ein komplexes Konzept, wie das von ‚The Birth Of Doubt’ zu erschließen“, sagt Sebastian Emling, Sänger und künstlerischer Vordenker des multimedialen Mammutprojekts. „Besonders reizvoll und fordernd an der Produktion war zweifellos die multidirektionale Herangehensweise. Literatur spielte dabei neben Fotografie und Filmkunst(letzte Arbeiten mit einer preisgekrönten holländischen Filmcrew am Musikvideo wurden erst kürzlich abgeschlossen, Verf.) eine ebenso große Rolle als Inspirationsquelle, wie die Orientierung an bestimmten musikalischen Vorbildern. So wird der Comic auch auf der CD enthalten sein, blättert man ihn virtuell durch, werden gleichzeitig die betreffenden Songtextpassagen als Spoken Word eingespielt.“
Über ein Jahr haben die Arbeiten an The Birth of Doubt gedauert, jetzt stellen SGATS das Ergebnis ihrer Forschungsreise in außermusikalische Sphären endlich vor. „Das vergangene Jahr hat uns künstlerisch, körperlich und vor allem auch finanziell nahezu alles abverlangt. Doch wir sind mehr als stolz auf unser Werk und brennen darauf, es endlich, endlich live vor ein leibhaftiges Publikum zu bringen,“ sagt Emling mit einem erwartungsfrohen Funkeln in den Augen. Am Samstag, 23.1., um 20Uhr, im Karlsruher Club Die Stadtmitte wird es soweit sein. Als besondere Gäste mit dabei sind Tones Of Home aus Schweden.
Sonntag, 6. Dezember 2009
Postrock? Nein Danke! Isis im Substage
Schon mal in einer Band gespielt? Dann ist die Situation bekannt: Man verschanzt sich mit den Kollegen im Übungskeller, stülpt ein paar Pilz, raucht vielleicht ein paar Riesenjogis oder bringt sich sonst wie in Wallung. Dann wird gejamt. Es reiht sich Riff an Riff, der Rhythmussektion gelingen aus dem Nichts die vertracktesten Breaks und Tempowechsel, der Leadgitarrist gerät mehr und mehr in Ekstase und der Sänger überrascht, sich in Verzückung windend, mit nie gehörten, irgendwie geheimnisvoll indianisch anmutenden, Ethnogesängen. Nach gut drei durchgespielten Stunden sinken alle erschöpft aber glücklich aufs durchgesessene Proberaumsofa und fühlen sich wie die Grateful Dead nach ihren sagenumwobenen Konzerten vor den Pyramiden von Gizeh 1978. Das war bestimmt das Beste, was der Teufel seit Robert Johnson Musikern eingegeben hat und zum Glück ist die ganze Zeit das Tape mitgelaufen! Die Ernüchterung folgt nach der Ausnüchterung: Das Tape wird mit versammelter Mannschaft abgehört. In hypnotischen Endlosschleifen quillt fader Soundbrei aus den Boxen. Nach fünfzehnmaliger Wiederholung wird so ziemlich jeder Gitarrenlauf eintönig, der Schlagzeuger zeigt zwar einige vielversprechende Ansätze, die durch ewiges darauf herumreiten aber auch nicht origineller werden, die Keyboardsounds sind bestenfalls skurril zu nennen und der Gesang wirkt vor dem ganzen Tohuwabohu einfach nur noch unstrukturiert. Enttäuschung pur, das Tape wird mit aller Einverständnis gelöscht.
Isis sind offenbar den entgegengesetzten Weg gegangen und haben ihre Proberaum-Jam-Tapes auswendig gelernt. Eine beachtliche Fleißarbeit, die auf Platte ihre Wirkung auch durchaus nicht verfehlt. Live drängt sich, wie am Freitag im Substage zu besichtigen war, allerdings der Verdacht auf, der Hype um die Mannen um Rauschebart Aaron Turner (Vox/Git) entspringe der Neigung mancher Popkritiker, jeden Mangel an Zugänglichkeit zur Kunst, jede verkorkste Schwurbelei zur Originalität und fehlenden Unterhaltungswert zur Tiefsinnigkeit zu erheben. Wenn das Postrock ist, möge Rock nie enden. Bald kommen KISS, Gott sei Dank!
Isis sind offenbar den entgegengesetzten Weg gegangen und haben ihre Proberaum-Jam-Tapes auswendig gelernt. Eine beachtliche Fleißarbeit, die auf Platte ihre Wirkung auch durchaus nicht verfehlt. Live drängt sich, wie am Freitag im Substage zu besichtigen war, allerdings der Verdacht auf, der Hype um die Mannen um Rauschebart Aaron Turner (Vox/Git) entspringe der Neigung mancher Popkritiker, jeden Mangel an Zugänglichkeit zur Kunst, jede verkorkste Schwurbelei zur Originalität und fehlenden Unterhaltungswert zur Tiefsinnigkeit zu erheben. Wenn das Postrock ist, möge Rock nie enden. Bald kommen KISS, Gott sei Dank!
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