Donnerstag, 24. September 2009

Der Rock N´ Roll Dad

Was ist das Punkrock-Äquivalent zur Tennismutter? Der Rock´n´Roll-Dad. An Tagen, an denen seine zwei Mädels Anne und Jule als Girl Punk-Duo Biestig auf der Bühne stehen, hat Hackerei-Betreiber Plüschi keine Zeit für´s Moped-Fahren, ein Bier mit den Kumpels oder die Beantwortung von Presseanfragen. Engagiert fährt er dann Equipment durch die Gegend, nestelt nervös an Mischpulten in Jugendzentren oder beaufsichtigt bedeutungsvoll den Bühnenumbau in abgesifften Rockschuppen. Nicht zu vergessen die unermüdliche jahrelange musikalische Früherziehung mittels Ramones, Social Distortion, Adicts, Danko Jones und – vor allem – AC/DC. Und dann gilt es ja auch den Nachwuchs zumindest vor den allertiefsten Abgründen des Rock´n´Roll-Lifestyle zu bewahren; die Kinder sollen es schließlich mal besser haben als man selbst. Aber hey, welcher musikbegeisterte Erzieher eines 16-jährigen Zwillingspaares würde dies alles nicht tun? Nun wurde der väterliche Einsatz belohnt: Die Töchterlein unterschrieben – mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten, versteht sich – einen Deal bei Rookie Records. Nebenan heißt das in kürze erscheinende Debüt, auf dem Biestig Drei-Akkorde-Punk mit etwas Ska, Hardcore und herzerwärmendem Schulmädchen-Charme kombinieren. Gesungen wird über lebensrelevante Themen wie Teenagerliebe, den doofen Freund oder den ätzenden Alltag (nix Gabbagabbahey, Fick den Staat und all so was). Das liest sich jetzt etwas flach, ist es aber nicht: Die Texte haben Esprit und auch live machen Biestig richtig Spaß. Uraufgeführt wird Nebenan natürlich in der gepflegten Punkrock-Bar vom Rock´n´Roll-Dad. Sa, 26.9., 20Uhr, Alte Hackerei.

Mittwoch, 16. September 2009

Guts Pie Earshot im Jubez

Eines steht fest: Guts Pie Earshot sind nicht unoriginell: Die im Laufe der Jahre auf Duo-Größe geschrumpfte vormalige Punk-band aus Berlin und Münster spielt – ein Exempel für den mitunter bereichernden Ef-fekt personeller Reduzierung - „Punk ohne Gitarre“, „Techno ohne Sequencer“ und „Drum ’n’ Bass ohne Bass“. Letzteres trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf, denn Rizio spielt tatsächlich keinen Bass, sondern e-ben Cello. Konzeptionell klingt das recht überzeugend, entsprechend gut besucht für einen Dienstagabend ist das Jubez.
Eingestimmt wird das Publikum mit flippigem Hardcore-Punk von Cloak/Dagger aus Rich-mond, Virginia – überzeugend vor allem Col-lin Barth an der Gitarre mit virtuosem X-Fuß-Posing. GPE beginnen dann eher dezent. Das Cello säuselt lieblich verzerrt vor sich hin, bis das Schlagzeug, zunächst vor sich hinklimpernd, schließlich die erste Brachial-Attacke einläutet. So geht es im dynamischen Wechsel munter fort. Dass GPE trotz minimalistischer Besetzung dabei gänzlich auf elektronische Stützen wie Sampler oder Laptop verzichten, ist bemer-kenswert und verlangt sicherlich die Ver-wendung von einigem Gehirnschmalz auf die musikalische Umsetzung. Ist man allerdings nicht in bierseeliger Tanzlaune, sind GPE zum Zuhören auf Dauer wieder Erwarten dann doch ein wenig eintönig. Schlagzeuger Scheng ist nun mal kein Marco Minnemann sondern ein etwas vielseitigerer Punkro-cker. Sein Beatspektrum bewegt sich zwi-schen Rammstein-Stampf und Highspeed-Polka. Der Cellosound wabert meist irgendwo zwi-schen sphärischem Gedröhn und orientalisch anmutenden Patchouli-Melodien - dass man mit etwas mehr Virtuosität und leicht er-weiterter Besetzung noch einiges mehr aus dem Genre rausholen kann, zeigen zum Bei-spiel E3 aus Spanien. Doch um musikalische Finesse geht es GPE ja auch gar nicht. Par-ty lautet das Motto und da lag man mit dem Einsatz der Zutaten Stampf und Patchouli ja noch nie ganz falsch: ersteres gefällt Alt-punks, Discogängern und Maschinenbau Stu-denten gleichermaßen, letzteres stellt die mitgebrachten Freundinnen ruhig und lässt alternde Hippie-Mädchen mit Sternen in den Augen einmal mehr dem Bauchtanz frönen. So kann man sich treiben lassen wie auf einer Techno Party, Pogen, wie auf einem Punk-Konzert oder sogar in Helikopter-Manier die Haarmatte kreisen lassen . Begeisterung auf ganzer Linie also? In bierseeliger Tanzlaune, ja.

Sonntag, 13. September 2009

Und die SPD rockt doch

Einen Wahlwerbespot des Karlsruher SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Jung, erstellt vom lokalen Video-Wunder Lord Ax Hooper, findet ihr hier. Der verwegene Typ am Steuer ist ein alter Kumpel des Autors und eine Koryphäe des Karlsruher Nachtlebens. Achja, und dann gibt´s noch Musik von den Lonesome Dragstrippers. Wenn das die jungen Erstwähler mal nicht in Scharen an die Urnen treibt!

Freitag, 11. September 2009

"Slash", das Buch zum Kerl

Ich hatte die Slash-Biographie schon eine ganze Weile im Regal stehen, aber irgendwie kam ich erst jetzt zum lesen. Hier mein Eindruck: Wer Bandbios nur wegen der Bums-, Bölk- und Badass-Geschichten liest, wird beim schmökern in „Slash“ (Harper) zwar fündig, aber nicht befriedigt werden. Klar, wenn es darum ging die Kerze von beiden Seiten anzuzünden, waren auch der Ex-Gunners-Gitarrist und seine Kumpane stets vorne mit dabei. Aber gegen die Hedonisten-Bibel schlechthin, Mötley Crües The Dirt, nimmt sich „Slash“ aus wie das Tagebuch eines pubertierenden Hauptschülers, wie ihn sich Leute wie von und zu Gutenberg vorstellen: Leerer doof, Arbeit doof, Mädchen doof, aber irgendwo muss man ja abladen, Kumpels cool (außer Axel, obwohl der erstaunlich gut weg kommt), aber schon Asi, Alk und Drogen gut. Kein Wunder also, dass der Wälzer nicht ganz sooooo eingeschlagen hat.
Wer seine üblichen Klischees aber nicht unbedingt übererfüllt haben muss und sich auch für den Musiker Slash interessiert, dem wird dieses Buch sehr viel geben. Denn eines wird völlig klar: Der Mann lebt nur für und durch seine Gitarre. Das erste Mal Black Sabbath oder Van Halen zu hören erschüttert ihn stärker als das erste Abspritzen oder der erste Schuss und sein erstes Solo zu meistern scheint ihm mehr Befriedigung verschafft zu haben als der Gigantismus zum Ende der Guns N´ Roses-Ära. Trotz seines extremen Lebens und seines Reichtums vermittelt Slash glaubhaft den Eindruck, er sei immer er selbst und vor allem Fan geblieben - welcher Musik-Afficionado erinnert sich nicht exakt an den Augenblick, in dem er vom Spirit of Rock n´Roll beseelt wurde? Das ist mehr, als man von den meisten Rockbios behaupten kann.

Donnerstag, 10. September 2009

SGATS Podcast

Die Karlsruher No-Wave-Existentialisten shy guy at the show arbeiten gerade an einem Konzeptalbum, das auf Goethes Prometheus basiert (!). In ihrem neuen Podcast gewährt die Band Einblicke in ihre Arbeitsweise und spricht über ihre wichtigsten Einflüsse. In der ersten Folge spricht Sänger Sebastian kluge Dinge über den Meister aller Grusel-Schriftsteller Edgar Allan Poe. Und man kann da wirklich noch was lernen, oder wusstet Ihr was ein unzuverlässiger Erzähler ist?