Dienstag, 11. Februar 2014

In Dr. Flxns Geraffel-Kabinett: Radio Rastwastan im Kohi


Radio Rastwastan sind schwer auf Draht. Foto:Band

Radio Rastwastan; das klingt exotisch – und ist es auch: Auf der Bühne des Kohi am Werderplatz stehen an diesem Samstag, 11.1., drei Personen in flimmerig gepunkteten Kostümen und machen Geräusche mit multipel verdrahteten Apparaturen, die aussehen, als hätten sie unaussprechliche Namen, wenn man sie denn kennte. Es blinkt, plingt, pluckert, surrt, schwirrt, brummt und ständig ist zu befürchten, dass ganze vintage-futuristische Geraffel gebe jeden Moment seinen wechselverstromten Geist auf. Den Rahmen für diese science-fiktionale Soundcollage bildet eine hypothetische Radiosendung, in der das Moderatorenteam Marcus Midi (Gitarre, Gesang, Samples, Effekte), Al Leno (Gitarre) und Dr. Flx (Trompete, Percussion, Keyboard) die sprunghaften Gedanken eines in einem alchemistischen Cocktail aus Alkohol und Pillen – oder war´s doch Lysergsäure? – eingelegten Gehirns vertont.
Dabei zappt sich das Trio aus Freiburg durch einen ätherischen Mix aus Lounge Jazz, NDW, Elektronika, Folk Rock, Reggae, Beatnik, flirrenden Cyberblues und Beatles der „I am the Walrus“-Ära. Zitiert und kombiniert werden dabei alle erdenklichen Bruchstücke von Elvis, über Queens Of The Stone Age und AC/DC bis Klassik. Dazu kommen polnische Kinderlieder und lateinamerikanische Rhythmen. „Piotr“ etwa verlötet die Titelthemen von Peter und der Wolf und James Bond mit Rumba, „Cal(l)fornia“ Hits der Dead Kennedeys und Stevie Wonder. Und wenn Midi seine hallende Bluesharp durch den gordischen Kabelsalat jagt, kommt sogar richtiges „Wild Thing“-Feeling auf. All das klingt, als bespielte Herman Munster mit einer verstimmten Lichtorgel, die an einen Hertzschen Oszillator angeschlossen ist, einen von Edgar Wallace veranstalteten Tanztee mit seinen Lieblingssongs. Was für ein Trip!
Dazu warten Radio Rastwastan mit einigen der coolsten Wortbeiträge der jüngeren Vergangenheit auf: „Der Highway to Hell ist gut ausgebaut und ist auch landschaftlich Reiuvoll, heißt es in „Tiefergelegt“. „Wo bleibt mein Völlegefühl?“, fragt Midi in „Völlegefühl“. Zum schießen!
Bei allem technischen und musikalischen Avantgardismus, ja Aktionismus, überfordern Radio Rastwastan ihre Hörer keineswegs, sondern bieten einfach ein so abwechslungsreiches wie spannendes und tanzbares Programm. Radiopreis verdächtig!
Dem Technikfeuerwerk der Tüftler aus dem Breisgau hat der eigentliche Hauptact des Abends nichts entgegenzusetzen: Clockwork Orchestra ist das Pseudonym von Paul Mangan aus Dublin. Der Ire bietet in Alleinunterhaltermanier eine Melange aus blutleerem Cartoon-Soundtrack und debilen Vorschulkinderliedern. Belanglos.

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