Donnerstag, 12. November 2015

The Hammer is gone - Motörhead-Drummer Phil Taylor gestorben

Phil "Philthy Animal" Taylor: 21. Sept., 1954 - 11. Nov., 2015
This one is dedicated to little Philthy! Ich kann mich noch genau an den Augenblick erinnern, in dem mich der Heilige Geist des Rock´n´Roll berührte  – andere nennen es ihren „Ed Sullivan Show Moment“: Ich war vielleicht dreizehn (es muss also am Ende der 80er Jahre gewesen sein) und ich stand an der Abspielstation des WOM in Karlsruhe. Auf Empfehlung  eines älteren Schulkameraden wollte ich mir eine Platte von Motörhead anhören. Ich hatte schon ein paar Alben von Thrash Bands wie Tankard, Sodom und Kreator zu Hause, aber der Typ hatte gemeint Motörhead seien das einzig wahre. Und da er viel längere Haare hatte als ich und sogar einen Ohrring, musste er es wissen. Mehr oder weniger wahllos hatte ich eine Scheibe aus dem entsprechenden Fach herausgezogen. „Dirty Love“ stand darauf. Auf dem roten Cover war ein Bandfoto: Drei ziemlich cool dreinblickende Typen mit Lederjacken, fetten Ringen und Patronengurten, woah. Einer rauchte (noch cooler) und hatte eine Frisur als habe er in eine Steckdose gefasst (irre cool). Da die Plattenhülle keinerlei Informationen enthielt (eine Zusammenstellung von Aufnahmen, an denen „Fast“ Eddie Clark die Rechte besitzt, wahrscheinlich brauchte er damals Kohle), fand ich erst später heraus, dass das Phil „Philthy Animal“ Taylor war, der Schlagzeuger.  Wie dem auch sei. Der Verkäufer nahm das schwarze Vinyl aus der Hülle, die Nadel setzte auf, es knisterte, Verstärker fiepten und dann ging es los. Dängdängdäng a dängedängdängdäng hämmerte der Bass. Dann setzten diese Drums ein, daggaduff, gadaggaduff, duffduffdrrpdrrp. And I never looked back, wie die Engländer sagen.
 Es gibt Leute, die behaupten, Phil Taylor habe keine brillante Technik gehabt. Er hatte aber etwas viel Wichtigeres: einen unnachahmlichen Stil. Wegen dieses komischen nervösen Shuffles klang Philthys Drumming immer irgendwie hyperaktiv, bockend, wie der Hufschlag eines völlig durchgedrehten Esels, der über die Weide tobt, weil man ihm aus Versehen ein Dopingmittel für Rennpferde gespritzt hat. Kein Zweifel, ohne ihn hätten die Alben der klassischen Motörhead-Ära wohl nicht die knisternde Energie, die sie heute noch mitreißend macht. Vielleicht lag das an seinem Speedkonsum, der dem von Lemmy dem Vernehmen nach in nichts nachstand, was Philthy ironischerweise schließlich seinen Job in der Band gekostet hat. Jedenfalls feuerte der Typ immer aus allen Rohren. Wie sein alter Bandkollege „Fast“ Eddie Clark auf seine facebookseite bekanntgab, ist Phil Taylor am Mittwoch, den 11. November, im Alter von 61 Jahren gestorben.

Nachtrag vom 13.11.: Soeben erreichte mich noch folgendes Statement von Lemmy, das ich hier gerne anfüge: I'm feeling very sad at the moment, in fact devastated because one of my best friends died yesterday. I miss him already. His name was Phil Taylor, or Philthy Animal, and he was our drummer twice in our career. Now he's died and it really pisses me off that they take somebody like him and leave George Bush alive. So muse on that. We're still going, we're still going strong, it's just first Würzel and now Philthy, it's a shame man. I think this rock n roll business might be bad for the human life. Oh well.

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