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Sonntag, 18. März 2018

Hällas: Excerpts From A Future Past


Hui, was ist das denn? Hällas spielen progigen, episch-mythischen 70s-Rock in der Tradition von Pavlovs Dog, Uriah Heep, Alice Cooper (Band) und vor allem Vanilla Fudge. Auf „Excerpts From a Future Past“ zeigt sich das Quintett aus Jönköping technisch auf der Höhe, ohne je ins Gegniedel abzudriften. Es gibt äußerst melodische und geschmackvolle Gitarren- und Hammondläufe und dazu die klasse und sehr ausdrucksstarke Stimme von Tommy Alexandersson. Gut, wenn ich in den Stiefeln der Schweden steckte, hätte ich meine Truppe Hell-Ass statt Hällas genannt, aber was weiß ich schon. Wer jedenfalls ein Herz für oben genannte Bands hat, kann mit diesem Debut (!) nix falsch machen.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Broadway statt Rock´n´Roll - Kiss live in Las Vegas

Im Vorvergangenen Jahr packten die legendären Hardrocker Kiss ihre Schminkköfferchen und brachen auf ins nicht weniger sagenhafte Spielerparadies Las Vegas, um im dortigen Hard Rock Hotel eine Reihe von Shows zu spielen, die auch gefilmt wurden. Im Frühjahr diesen Jahres wurde  „Kiss Rocks Vegas“ für einen Tag in ausgewählten Kinos weltweit gezeigt. Jetzt liegt der Konzertfilm auf DVD vor.
Angesichts zahlreicher bereits existierender Live-Dokumente aus den verschiedensten Schaffens- und Besetzungsphasen der Band stellt sich natürlich die Frage, muss sich der Fan sich das Filmchen ins Regal stellen?
Ein Pro wäre vielleicht, dass mit „Tears Are Falling“ (aus der Non-Makeup-Ära), „Psycho Circus“, „War Machine“ und „Hell Or Halleluja“ ein paar seltener live gespielte Songs enthalten sind. Andererseits fällt es beim Anschauen schwer zu glauben, dass sich diese perückentragende Seniorengruppe in einer fernen Vergangenheit einmal mit einer anderen – inzwischen ebenfalls arg gerupften – Band namens AC/DC um den ersten Platz auf dem Treppchen rangelte, wenn es darum ging, wer auf dem Planeten die härtesten Gitarrenriffs in Petto hatte. 

Feuer und Flamme: Kiss in Vegas Foto: Universal
Klar fährt der Drumriser bei Kiss noch immer höher als anderswo und es rumst und kracht an allen Ecken und Enden. Das Feuerwerk kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kiss heute mehr einer Broadway als einer Rock´n´Roll-Show gleichen.
Ein weiterer Kaufanreiz wäre die spektakuläre Spider-Bühne gewesen, die europäische Fans bisher nicht zu Gesicht bekamen. Weil das „The Joint“ mit 4000 Plätzen aber recht klein ist, kam sie nicht zum Einsatz.
Routiniertes Showmanship von Gene, Paul und Co. Foto: Universal

Donnerstag, 25. Februar 2016

Verderbter als Mötley Crüe - Pentagram-Doku erscheint auf DVD

Wem „The Dirt“, die Biographie der berüchtigten Chaos-Rocker Mötley Crüe, zu krass und verderbt war, der sollte von dieser Doku die Finger lassen: „Last Days Here“ (Peaceville/Edel) über das Leben des absonderlichen Pentagram-Frontmannes, Bobby Liebling, die am Freitag, 26. Februar, als DVD erscheint, erzählt die tragische Geschichte einer gescheiterten Existenz, weckt aber gleichzeitig die Hoffnung auf Erlösung: Die Exzesse des völlig abgewrackten Sängers, den wir zu Beginn des ursprünglich 2011 erschienenen Films sehen, ließen sogar Keith Richards die Haare zu Berge stehen lassen. Und der trifft bekanntlich eher selten Leute, die noch kaputter sind als er selbst.
Zwar waren Black Sabbath ein wenig früher am Start, als die 1971 in Nord-Virginia gegründeten US-Doomer, aber ohne deren Einfluss wären Bands wie Kyuss, Fu Manchu oder Down wohl nicht denkbar. Trotzdem haben es Pentagram nie über einen Underground-Kultstatus gebracht.

An dieser Misere ist offensichtlich vor allem einer Schuld: Bobby Liebling, wie man auch im Rock-Blog-Interview nachlesen kann. „Hast Du jemals etwas anderes gemacht, außer Rock´n´Roll?“, fragt Co-Regisseur Demian Fenton Liebling, dessen fluchbeladene Stimme seit 45 Jahren die einzige Konstante im ausgeflippten Pentagram-Universum bildet, in einer der ersten Szenen. „Nichts“, nuschelt der Sänger, der mit seiner Krausen Mähne, Hakennase und hohlwangigem gesicht ein wenig aussieht wie Ronnie James Dios evil twin, während er Rauch aus einer Crackpfeife in seine Lungen saugt. „Doch, Drogen“, fügt er hinzu. Vierzig seiner 62 Lebensjahre hat Liebling als lichtscheuer, in Crackschwaden gehüllter Drogen-Ghoul im Souterrain seines Elternhauses gefristet. Sein vom Heroin zerfressener Körper gleicht dem eines vertrockneten Frosches. Die Arme sind Bandagiert, weil er sich sonst blutig kratzt. Denn im Drogenwahn bildet sich Liebling ein, unter seiner Haut lebten Insekten.
Dios evil twin: Bobby Liebling Foto: Nicolas Coitino
Was „Last Days Here“ über bloßen Ekel-Voyeurismus à la Dschungelcamp heraushebt, ist, dass sich die Filmemacher entgegen  journalistischer Prinzipien ihres Dokumentationsobjekts annehmen. Sie lassen Liebling einen Vertrag unterschreiben, in dem er sich verpflichtet, keine Drogen mehr zu nehmen. Bricht er die Vereinbarung, verliert er seinen wertvollsten Besitz: die riesige Plattensammlung. An den Erfolg dieser eher drolligen Maßnahme glaubt man als Zuschauer freilich keine Sekunde. Vielmehr erwartet man ständig, der völlig durchgeknallte Liebling werde in seinem dunklen, abgefuckten Kellerloch elendig verrecken. Doch dann nimmt die Geschichte eine Wende, die selbst Schmalzschreiber vom Kaliber einer Rosamunde Pilcher die Schamesröte ins Gesicht triebe: Bobby Liebling kommt tatsächlich von den Drogen los (zumindest weitgehend) und trommelt erfolgreich eine neue Pentagram-Besetzung zusammen. Auch privat gelingt ihm ein Neustart: Er zieht aus den elterlichen Katakomben in ein eigenes Appartement und am Ende des Films erwarten er und seine frisch angetraute junge Frau ihr erstes gemeinsames Kind.
Drogen und Rock´n´Roll: Pentagrams Bobby Liebling  Foto: Nicolas Coitino
„Last Days Here“ steht s in einer Reihe von Rock-Dokumentationen, die nicht nur darauf abzielen, das Publikum zu informieren, sondern auch die ins Stocken geratenen Karrieren der Mitwirkenden neu zu beleben. Der Trend begann 2009 mit "Anvil! The Story of Anvil ". Ein Bericht über die kanadische Heavy Metal Band Anvil und deren leicht vertrottelt wirkenden Frontmann Lips, der nie den großen Durchbruch geschafft hatte, aber trotzdem jahrzehntelang unverzagt weitergestümperte. Das mit wohlwollendem Humor gezeichnete Portrait war ein weltweiter Kinoerfolg und Anvil spielen seither alljährlich auf den großen Festivals. Auch Pentagram haben sich im Frühjahr für eine Deutschlandtour angesagt.


April 6th - Lindau, Germay @ Club Vaudeville
April 7th - Munich, Germany @ Backstage Hall
April 8th - Wiesbaden, Germany @ Schlachtof Wiesbaden Hall
April 9th - Durby, Belgian @ Durby Rock
April 11th - Vienna, Austria @ Arena Hall
April 12th - Jena, Germany @ F House
April 13th - Berlin, Germany @ Lido
April 14th - Hamburg, Germany @ Klubsen
April 15th, Tilburg, The Netherlands @ 013 / Roadburn Festival