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Donnerstag, 20. November 2014

To bono or not to bono, that is the question! - Augustines in concert


Augustines at the Bowery Ballroom in NYC 3/3/14. Foto: Rtsanderson
„Sind das eigentlich Iren?“, fragt sich der Hörer unwillkürlich während die Augustines am Sonntagabend, 9. November, im Musikklub Substage auf der Bühne stehen. Nein, es sind Amis! Und zwar aus Brooklyn. Einem New Yorker Stadtteil, der bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts zwar auch viele Iren beherbergte, den die Synapsen des kollektiven Popkultur-Gedächtnisorgans aber eher mit Hip Hop in Verbindung bringen. Fans von Notorious B.I.G., Jay Z oder den Beastie Boys sind der Sänger und Gitarrist Billy McCarthy, der multi-instrumentalist Eric Sanderson and Drummer Rob Allen aber ganz offensichtlich nicht.
Der New Wave-Sound des inzwischen nach Seattle übergesiedelten Trios atmet vielmehr derart den Geist der grünen Insel, dass vor dem geistigen Auge eins ums andere die Bilder saftiger kleebestandener Wiesen, demonstrierender Bürgerrechtler und eines lustig um einen riesigen Topf mit Gold herumtanzenden Männleins mit Gelfrisur und überdimensionierter bunter Brille vorbeiziehen. Fast erwartet man, McCarthy werde jeden Moment “With or without you” anstimmen.
Gelegentlich mögen die Augustiner mit den Referenzen an die 80er-Jahre im Allgemeinen und ihre offensichtlichen Heroen U2 und Simple Minds im Besonderen über das Ziel hinausschießen. Sandersons nostalgische Members Only Jacke, MTV-erprobten Stagemoves  und McCarthys kumpelhafte Art als Gegenpol machen den Auftritt schon wieder grundsympathisch.
Was wichtiger ist: Ein Händchen für eingängige Refrains mit viel „Yeah, yeah, yeah“ und „Wohohohooo“ (“Cruel City“), die wie mit Kerrygold geschmiert in den Gehörgang flutschen, kann man den Augustinern nicht absprechen. Mit viel Verve vorgetragen und positiv aufgeladen eigenen sich die schrammeligen Freiheitshymnen des Trios folglich  ganz prima als Marschmusik für die nächste „Wir sind die 99 Prozent“-Demo – ohne erklärtermaßen politisch zu sein. Im Gegenteil: McCarthy, der während der vergangenen Jahre seine Mutter an den Alkohol verlor und diverse andere persönliche Tiefschläge verkraften musste, besingt meist persönliche Erfahrungen. Das verleiht seinen Songs Kraft. So wäre eine leicht manirierte Piano-Ballade wie „Philadelphia (City of Brotherly Love)” vielen Sängern einfach nur schwülstig geraten, McCarthys sandpapierbehandeltes Organ verleiht ihr indes Glaubwürdigkeit. Eine Eigenschaft, die Augustines  ihren Vorbildern U2 voraus haben.




Donnerstag, 24. Oktober 2013

Spinnweben in den Ohren - IMR waven im Substage Karlsruhe

Der vergangene Freitagabend begann mit einem Rückschlag: Shy Guy At The Show sagten ihren Auftritt im Substage ab. Gitarrist David Emmling sei von einer so hinterhältigen Grippe niedergestreckt worden, dass es ihm unmöglich sei, zu spielen, verkündeten die grandiosen Karlsruher No Wave-Schöngeister auf ihrer Internetzseite. Dementsprechend blieben die SGATS-Fans offenbar gleich ganz zu Hause, so dass die anderen Bands auf dem Billing vor recht magerer Kulisse spielen mussten. Ein Fehler, denn insbesondere der Synth-Dark-Pop von I.M.R. hätte auch bei den Anhängern der Scheuen Jungs Anklang gefunden.
Den Anfang machten Runway Lights mit leicht abgedunkelten Indie-Rock. Richtig Nacht wird es dann bei I.M.R.: Das Quartett aus Karlsruhe, das ohne Schlagzeuger antritt, verbreitet mit seinen Keyboards und Synthesizern derart authentisches 80er Flair – bis hin zu den unverfälschten Krähennester-Frisuren –, dass einem vom bloßen Zuhören die Spinnweben aus den Ohren wachsen. Soft Cell, Depeche Mode, D.A.F. und Talking Heads geben sich die Kirchhoftürklinke in die kalte bleiche Hand, so dass man sich gar nicht entscheiden mag zwischen drei Schritte Totengräber-Tanz und Leichenstarre. Da möchte man glatt auf dem nächstgelegenen Friedhof die Grüfte öffnen und schöne Tote küssen.  Schließlich kommt im Saal, der fast so leer ist wie eine spiegelwand beim Tanz der Vampire, sogar so etwas wie Stimmung aufkommt. Eine beachtliche Leistung!
Das einzige was zwischen den seit den frühen 90er Jahren aktiven I.M.R. und einer Weltkarriere steht, ist der Umstand, dass die Musiker keine 17-jährigen Mädchen sind. Aber mit viel harter Arbeit lässt sich das binnen der nächsten 20 Jahre Bandgeschichte vielleicht noch ändern.