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Dienstag, 3. Februar 2015

Kuchen Satt - Backen mit Mother´s Cake


Das neue Live-Album von Mother´s Cake.
Warum kommen die durchgeknallten Bands eigentlich immer aus den Alpenländern? Vermutlich weil der dortigen Jugend während sie alle halbe Jahre für sechs Monate in irgendwelchen finsteren Bergtälern eingeschneit ist, nicht viel anderes übrigbleibt, als Papas Plattensammlung durchzuhören und Gitarre zu üben – außer vielleicht die Wahl zwischen dem Fuß des Kreuzes und dem Lauf einer SIG 550. In diesem Zusammenhang sei auf die Schweizer Psycho-Progger ARF, die Österreichischen Politrocker Drahdiwaberl oder die alpenrepublikanischen Eiter Metal-Pioniere Pungent Stench verwiesen. Mother's Cake, die am Freitag im Jubez spielten, reihen sich, was musikalische Freigeistigkeit angeht, in diese anrüchig illustre Ahnengalerie nahtlos ein.
Verschlungen wie ein Wiener Mohnkranzerl und vielschichtig wie Baumkuchen sind die Kompositionen des Trios. Das musikalische Rezept der  jungen Zuckerbäcker lautet dabei wie folgt: Ein Pfund feinmehlige Pink Floyd vermengen mit grobkörnigem Ten-Years-After-Power-Rockkandis und das Ganze mit uriger Soundgarden-Monster-Riff-Hefe für eine halbe Stunde gehen lassen. Derweil ein halbes Dutzend dicker Bestie-Boys-Eier aufschlagen, mit 300 Gramm I-am-the-Walrus-Ära-Beatles vermengen und die Mischung mit dem Bootsie-Collins-Funkbesen schaumig schlagen. Dann 100 Milliliter Jam Rock mit drei Esslöffeln Jamiroquai glattrühren und Masse unter Hinzugabe kleingehackter Jazzakkorde unterheben. Eine möglichst synkopische Kuchenform mit Mars-Volta einfetten und mit dem Teig auskleiden.  Darein die Füllung geben und im Ofen auf Stufe MC5 für 30 Minuten backen. Kuchen herausnehmen und mit ein wenig Jack White glacieren. Noch warm servieren.
Das erstaunlichste an diesem Rezept: Es schmeckt – und wie am Freitag zu sehen war ganz besonders jungen Leuten, nicht bloß den ergrauten Jungs vom Prog-Rock-Kaffeekränzchen-Stammtisch im Eck in der Konditorei.
Kostproben von Mutter´s Kuchen gibt es hier, hier und hier.

Donnerstag, 26. September 2013

Hier regiert Gov´t Mule


„Shout!“ (Provogue/Mascot Records) ist genau der richtige Titel für das aktuelle Album  von Gov´t Mule (ausgesprochen: Government Mule). Denn was  die Ami-Jamrocker auf ihrem ungefähr neunten Studioalbum (der Backkatalog ist dank ungezählter Live-Veröffentlichungen und EPs etwas unübersichtlich) abliefern, ist eine deutliche Absage an seelenlosen Einheitsbrei und widerwärtige Kommerzkacke, wie sie debile Chart-Radiohörer und lemminghaftes Fernsehshow-Klattschvieh üblicherweise in dionysische Freudentaumel versetzen. Gitarrist/Sänger Warren Haynes und seine Mitstreiter vermengen rootslastigen Southern Rock, mit Funk, Soul, Jazz und sogar Reggae. Verbunden mit Stilsicherheit und Virtuosität am Instrument, erinnert diese heute seltene Vielseitigkeit an die Allman Brothers – hier verdient Haynes im Hauptberuf seine Brötchen –, Little Feat, The Band oder auch Grateful Dead (auch beim TGD Spin off The Dead war Haynes schon aktiv).
Als ob das nicht schon des Guten genug wäre, hat das Quartett das komplette Album als „Bonus“  von diversen Größen nochmal einsingen lassen. Welchen Respekt der stets so Geschmack- wie Gefühlvoll agierende Haynes (allein die Gitarrenarbeit bei „Forsaken Savior“ rechtfertigt den Kauf des CD-Doppelpacks) im Kollegenkreis genießt, zeigt sich daran, dass sich zum Maultier-Karaoke das internationale Who-is-Who der Stimmakrobatik eingefunden hat: Glenn Hughes, Dave Matthews, Steve Winwood und Miles Kennedy veredeln das ohnehin schon hochwertige Material. Doch es ist Elvis Costello, der „Funny Little Tragedy“ ein herrlich abgründiges Punk-Feeling verleiht und den anarchischen Geist von Gov´t Mule damit am besten einfängt.

Foto: Promo