In Blumenau, Santa Catarina, Brasilien geboren und bei deutschen Eltern in Karlsruhe aufgewachsen, wurde Florian schon zu zweiten Mal Adoptiert: Bei der Aktion „Söhne gesucht“ der Söhne Mannheims (nicht dass ich die jetzt besonders toll finden würde) nahm ihn aus 600 Bewerbern Raggae-Man Marlon B. unter seine Fittiche. Nach drei Tagen „chillin´“ mit Xavier und Brüdern aber auch harter Arbeit befanden die Söhne Bronk “ für würdig, sie im Video zur aktuellen Single zu vertreten, und fähig, vor zehntausenden mit ihnen auf der Berliner Waldbühne zu stehen, die in grauer Vorzeit immerhin schon von den Stones - als sie zu sowas noch fähig waren – zünftig zerlegt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Am Fr, 18.9., 20.30Uhr, ist Florian im Jubez zu sehen.
Freitag, 28. August 2009
Florian Bronk - Hip Hop mal anders
Zugegeben: Er ist kein Rocker, er ist nicht cool und er ist nicht tough! Trotzdem möchte ich Euch heute einen Musiker vorstellen, der mich auf eine ganz besondere Weise berührt. Ich habe ihn schon des Öfteren mit Freuden gefeatured und so langsam scheinen sich seine Qualitäten auch überregional herumzusprechen: Florian Bronk, ein gewöhnlicher deutscher Name, doch damit hat es sich dann auch, was dieser Hip-Hop-Künstler an Profanität zu bieten hat. Florian (fkna Zimba) bedeutet: "Der Blühende" oder auch „der glänzend Ausgestattete“ und tatsächlich sind die Talente des 23Jährigen vielfältig: Seine Musik ist eine farbenfrohe Melange aus Hip Hop-, Reggae-, Singer/Songwriter-, World- und Jazzeinflüssen. Die aggressive Sprache der Berliner Schule ist ihm fremd, Florian ist ein origineller Geschichtenerzähler - wer bitte, von dubiosen end-sechziger Psychodelic Bands vielleicht einmal abgesehen, schreibt schon ein zehnminütiges Epos über die Reise eines Sandkorns - , der sich nicht hinter Schädelmasken versteckt, sondern sein Herzblut offen vergießt.
In Blumenau, Santa Catarina, Brasilien geboren und bei deutschen Eltern in Karlsruhe aufgewachsen, wurde Florian schon zu zweiten Mal Adoptiert: Bei der Aktion „Söhne gesucht“ der Söhne Mannheims (nicht dass ich die jetzt besonders toll finden würde) nahm ihn aus 600 Bewerbern Raggae-Man Marlon B. unter seine Fittiche. Nach drei Tagen „chillin´“ mit Xavier und Brüdern aber auch harter Arbeit befanden die Söhne Bronk “ für würdig, sie im Video zur aktuellen Single zu vertreten, und fähig, vor zehntausenden mit ihnen auf der Berliner Waldbühne zu stehen, die in grauer Vorzeit immerhin schon von den Stones - als sie zu sowas noch fähig waren – zünftig zerlegt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Am Fr, 18.9., 20.30Uhr, ist Florian im Jubez zu sehen.
In Blumenau, Santa Catarina, Brasilien geboren und bei deutschen Eltern in Karlsruhe aufgewachsen, wurde Florian schon zu zweiten Mal Adoptiert: Bei der Aktion „Söhne gesucht“ der Söhne Mannheims (nicht dass ich die jetzt besonders toll finden würde) nahm ihn aus 600 Bewerbern Raggae-Man Marlon B. unter seine Fittiche. Nach drei Tagen „chillin´“ mit Xavier und Brüdern aber auch harter Arbeit befanden die Söhne Bronk “ für würdig, sie im Video zur aktuellen Single zu vertreten, und fähig, vor zehntausenden mit ihnen auf der Berliner Waldbühne zu stehen, die in grauer Vorzeit immerhin schon von den Stones - als sie zu sowas noch fähig waren – zünftig zerlegt wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Am Fr, 18.9., 20.30Uhr, ist Florian im Jubez zu sehen.
Mittwoch, 12. August 2009
Jack White endgültig rehabilitiert
Mit den White Stripes konnte ich nie wirklich etwas anfangen. Schon irgendwie spannend, ja, aber doch zuviel Rumpel-Pumpel und Larifari, was für Visions-Leser eben. Das zweite The Raconteurs-Album, Consolers of the Lonely, fand ich dann doch ziemlich überzeugend - konnte einen glatt über die gescheiterte Led Zeppelin-Reunion hinwegtrösten, auf die ich allerdings ohnehin nicht gerade mit kaltscheißigen Händen gewartet hatte. Jetzt kommt der gute Jack schon wieder mit einem neuen Projekt aus der Garage - oder dem Stall, jetzt wohnt er ja irgendwo in den Südstaaten: The Dead Weather. Am Debut Horehound kann man sich nun ziemlich festhören. Fettester Bluesrock, der oftmals an die ganz alten Heroen wie Cream oder James Gang denken lässt. Doch ich schweife ab. Jedenfalls entdecke ich beim rumsurfen auf Youtube dieses Video:
http://www.youtube.com/watch?v=svx39gvd-0I
The Dead Weather covern Pentagrams "Forever My Queen". Wie geil ist das denn?
Das Teil soll wohl auch als 7" erscheinen, womit sich White endgültig als genialer Eklektiker outet. Wer meine Begeisterung nicht versteht, und das werden die meisten unter dreißig, beginne seine Recherchen über diese wegweisende Band am besten hier:
http://www.myspace.com/bobbydarlingpentagram
Viel Spaß und Erkenntnis!
http://www.youtube.com/watch?v=svx39gvd-0I
The Dead Weather covern Pentagrams "Forever My Queen". Wie geil ist das denn?
Das Teil soll wohl auch als 7" erscheinen, womit sich White endgültig als genialer Eklektiker outet. Wer meine Begeisterung nicht versteht, und das werden die meisten unter dreißig, beginne seine Recherchen über diese wegweisende Band am besten hier:
http://www.myspace.com/bobbydarlingpentagram
Viel Spaß und Erkenntnis!
Freitag, 7. August 2009
I know, it´s only Gore-Metal-Boogie-Bluegrass-Techno-Death-Jive-Gospel-Waltz-Fast-Bossa (But I Like It)
Brutal Polka, 6.8., Karlsruhe, Die Stadtmitte. Was haben ein schwuler Polizist, ein Hot-Dog, ein Ledermaskenmann, die Imperialen Sturmtruppen und Fred Feuerstein gemeinsam? Natürlich nichts, trotzdem spielen sie gemeinsam Brutal Polka. Die gleichnamige Band, deren Lineup so fetischistisch vielfältig kostümiert wie multikulturell zusammengesetzt ist - die Mitglieder leben in den USA, Israel und Speyer – bezeichnet sich selbst als eine "in der israelischen Punkrock-Szene verwurzelte Gore-Metal-Boogie-Bluegrass-Techno-Death-Jive-Gospel-Waltz-Fast-Bossa-Band, deren Anfänge in einem anonymen Proberaum, auf einem nicht näher genannten Schulgelände, einer gänzlich unbekannten Stadt in einem namenlosen Staat liegen, die antrat eine bedeutende gefeierte sehr berühmte Pop-Gruppe zu werden und die mit ihrem schwach besuchten Konzert im örtlichen Underground-Club ihren Karrierehöhepunkt erreicht, wie jede andere auch."
Dem wäre an sich Nichts hinzuzufügen, denn Brutal Polka hätten ihren Stil nicht präziser beschreiben können - auch wenn der Gospel-Einfluss nicht überschätzt werden sollte – und die zahlende Kundschaft am Donnerstag im Club Die Stadtmitte beschränkte sich auf magere 35 Personen, aber der Unterhaltungswert war doch beträchtlich und rechtfertigt somit die Überlieferung des Ereignisses. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Dropkid aus Stuttgart, die mit melodischen Hardcore vor drei Leuten alles gaben. Dann geht´s los mit Brutal Polka und für deren Show gibt es nur ein Adjektiv: Durchgeknallt. Kramer E. Frog (schwuler Polizist), zuständig für Gesang und Keyboards, sieht aus wie er heißt, bewegt sich wie er heißt und singt wie er heißt. Außerdem steht nach dem dritten Song in der Unterhose da. Darüber hinaus hält er Avocados für Teufelswerk und wird von seiner Mutter auf Tour geschickt, damit er we-nigstens etwas Bewegung bekommt. IZ, der Klonkrieger Gitarrist, hält sich meist pogend im Publikum auf, es sei denn er hat gerade ins Mikrophon zu kreischen. Sein steinzeitlicher Widerpart, Double Boy, steht aufgrund seiner beträchtlichen Körpermasse meist dem Bass spie-lenden Hot Dog im Weg – die halbe Band ist obendrein blind wie die Grottenolme, weigert sich aber aus Imagegründen auf der Bühne Brille zu tragen –, das trotzdem „einfach nur begeistert“ ist. Latexmann Georgius Ceasar an den Drums ist einfach nur er selbst.
An der Musik hätten Frank Zappa und Captain Beefheart genauso ihre Freude gehabt wie Mike Patton oder die Toy Dolls. Und wer Alben wie A Tribute to Mainstream und Politics Shmolitics mit Songs wie „Let's Send The Ku Klux Klan Into The Fire Pitts In The Depths Of Hell“, „When Did Fat Mike Become A Hippie?“ oder "Micropenis“ aufnimmt, der hat ohne jeden Zweifel noch eine große Zukunft vor sich.
Auch in Sachen Konzertdramaturgie gehen Brutal Polka ganz neue Wege: Der letze Song heißt „Fuck The World“. Georgius Ceasar lässt ihn mit einem fünfminütigen „Drumsolo“ ausklingen, indem er den einen pfeilschnellen Beat bis zur völligen Rammdösigkeit immer weiterspielt. Für das Publikum eine Geduldsübung. Dann kommt die Band zurück und tanzt (!) mit allen im Saal Polka. Schließlich kippt Georgius Ceasar vom Hocker. Trotzdem gibt es eine Zugabe. Sie heißt „Love Me“. Abgang Band, Abgang Caesar: Man sieht, er trägt Gummihosen und schwere Kampfstiefel. I know, it´s only Gore-Metal-Boogie-Bluegrass-Techno-Death-Jive-Gospel-Waltz-Fast-Bossa (But I Like It).
Dem wäre an sich Nichts hinzuzufügen, denn Brutal Polka hätten ihren Stil nicht präziser beschreiben können - auch wenn der Gospel-Einfluss nicht überschätzt werden sollte – und die zahlende Kundschaft am Donnerstag im Club Die Stadtmitte beschränkte sich auf magere 35 Personen, aber der Unterhaltungswert war doch beträchtlich und rechtfertigt somit die Überlieferung des Ereignisses. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Dropkid aus Stuttgart, die mit melodischen Hardcore vor drei Leuten alles gaben. Dann geht´s los mit Brutal Polka und für deren Show gibt es nur ein Adjektiv: Durchgeknallt. Kramer E. Frog (schwuler Polizist), zuständig für Gesang und Keyboards, sieht aus wie er heißt, bewegt sich wie er heißt und singt wie er heißt. Außerdem steht nach dem dritten Song in der Unterhose da. Darüber hinaus hält er Avocados für Teufelswerk und wird von seiner Mutter auf Tour geschickt, damit er we-nigstens etwas Bewegung bekommt. IZ, der Klonkrieger Gitarrist, hält sich meist pogend im Publikum auf, es sei denn er hat gerade ins Mikrophon zu kreischen. Sein steinzeitlicher Widerpart, Double Boy, steht aufgrund seiner beträchtlichen Körpermasse meist dem Bass spie-lenden Hot Dog im Weg – die halbe Band ist obendrein blind wie die Grottenolme, weigert sich aber aus Imagegründen auf der Bühne Brille zu tragen –, das trotzdem „einfach nur begeistert“ ist. Latexmann Georgius Ceasar an den Drums ist einfach nur er selbst.
An der Musik hätten Frank Zappa und Captain Beefheart genauso ihre Freude gehabt wie Mike Patton oder die Toy Dolls. Und wer Alben wie A Tribute to Mainstream und Politics Shmolitics mit Songs wie „Let's Send The Ku Klux Klan Into The Fire Pitts In The Depths Of Hell“, „When Did Fat Mike Become A Hippie?“ oder "Micropenis“ aufnimmt, der hat ohne jeden Zweifel noch eine große Zukunft vor sich.
Auch in Sachen Konzertdramaturgie gehen Brutal Polka ganz neue Wege: Der letze Song heißt „Fuck The World“. Georgius Ceasar lässt ihn mit einem fünfminütigen „Drumsolo“ ausklingen, indem er den einen pfeilschnellen Beat bis zur völligen Rammdösigkeit immer weiterspielt. Für das Publikum eine Geduldsübung. Dann kommt die Band zurück und tanzt (!) mit allen im Saal Polka. Schließlich kippt Georgius Ceasar vom Hocker. Trotzdem gibt es eine Zugabe. Sie heißt „Love Me“. Abgang Band, Abgang Caesar: Man sieht, er trägt Gummihosen und schwere Kampfstiefel. I know, it´s only Gore-Metal-Boogie-Bluegrass-Techno-Death-Jive-Gospel-Waltz-Fast-Bossa (But I Like It).
Montag, 3. August 2009
Dave Wyndorf ist fett, doch Monster Magnet sind es auch
Monster Magnet, Karlsruhe, Substage, 17.06.
Die schlechte Nachricht vorneweg: David Wyndorf der letzte Held des Psychodelic-Rock ist voll fett. Die gute Nachricht hinterher: seine Band Monster Magnet ist es auch; noch immer. Ok, beim Konzert Substage ging Dave „Schlangenbeschwörer“ Wyndorf vielleicht nur noch als „Häuptling Fette Schlange“ durch, aber dafür ist der Mann im Gegensatz zu vielen ande-ren im Drogenbereich ähnlich engagierten Kollegen noch am Leben. Muss man auch mal se-hen. Andererseits soll es (weibliche)Fans geben, die der Band auf der gesamten Tour hinter-her reisen, nur um den Meister zur Weiterverfolgung seiner Drogenkarriere zu bewegen – was für einen Körper Heroin und etwas Sport meißeln können beweist Iggy Pop seit Jahrzehnten , doch sollte man für Wyndorfs Standhaftigkeit eher dankbar sein, denn wie man im Substage sehen konnte: Jedes zusätzliche Gramm ist Charisma Pur.
Daran konnte auch der schlabberige Kapuzenpulli, den Wyndorf - wie schon letzten Sommer auf dem South-Side-Festival trotz gefühlter 85° und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit - während des gesamten Konzerts trug, konnte daran nichts ändern. Die Fans im seit Wochen ausver-kauften Substage gingen vom ersten Augenblick an voll mit. Kein Wunder, denn knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer letzten Clubshow in Karlsruhe – die Band aus New Jersey spielte da-mals im Musikclub Katakombe - spulten Monster Magnet ein Best-Off-Programm runte, das (fast) keine Wünsche offen ließ: Es dominierten die 90er mit den Alben Powertrip, Dopes to Infinity und Spine of God. Heraus stachen ein grandioses „Zodiac Lung“, nur mit Gesang und Gitarre, der Indie-Knaller "Negasonic Teenage Warhead" und die Hits der kommerziell erfolgreichen Powertrip-Phase „Crop Circle“, „Powertrip“ und „Space Lord”. Das Schwer-gewicht legte Schwergewicht Wyndorf also auf straighten Rock, die psychedelische Vergan-genheit blieb etwas außen vor. Der heimliche Greatest- Hit aller Bulldog-Jünger der ersten Stunde, „Nod Scene“, wurde übergangen (heul!). Trotzdem steht fest: Auch ein übergewichti-ger Wyndorf lässt uns live nicht verhungern.
Die schlechte Nachricht vorneweg: David Wyndorf der letzte Held des Psychodelic-Rock ist voll fett. Die gute Nachricht hinterher: seine Band Monster Magnet ist es auch; noch immer. Ok, beim Konzert Substage ging Dave „Schlangenbeschwörer“ Wyndorf vielleicht nur noch als „Häuptling Fette Schlange“ durch, aber dafür ist der Mann im Gegensatz zu vielen ande-ren im Drogenbereich ähnlich engagierten Kollegen noch am Leben. Muss man auch mal se-hen. Andererseits soll es (weibliche)Fans geben, die der Band auf der gesamten Tour hinter-her reisen, nur um den Meister zur Weiterverfolgung seiner Drogenkarriere zu bewegen – was für einen Körper Heroin und etwas Sport meißeln können beweist Iggy Pop seit Jahrzehnten , doch sollte man für Wyndorfs Standhaftigkeit eher dankbar sein, denn wie man im Substage sehen konnte: Jedes zusätzliche Gramm ist Charisma Pur.
Daran konnte auch der schlabberige Kapuzenpulli, den Wyndorf - wie schon letzten Sommer auf dem South-Side-Festival trotz gefühlter 85° und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit - während des gesamten Konzerts trug, konnte daran nichts ändern. Die Fans im seit Wochen ausver-kauften Substage gingen vom ersten Augenblick an voll mit. Kein Wunder, denn knapp zwei Jahrzehnte nach ihrer letzten Clubshow in Karlsruhe – die Band aus New Jersey spielte da-mals im Musikclub Katakombe - spulten Monster Magnet ein Best-Off-Programm runte, das (fast) keine Wünsche offen ließ: Es dominierten die 90er mit den Alben Powertrip, Dopes to Infinity und Spine of God. Heraus stachen ein grandioses „Zodiac Lung“, nur mit Gesang und Gitarre, der Indie-Knaller "Negasonic Teenage Warhead" und die Hits der kommerziell erfolgreichen Powertrip-Phase „Crop Circle“, „Powertrip“ und „Space Lord”. Das Schwer-gewicht legte Schwergewicht Wyndorf also auf straighten Rock, die psychedelische Vergan-genheit blieb etwas außen vor. Der heimliche Greatest- Hit aller Bulldog-Jünger der ersten Stunde, „Nod Scene“, wurde übergangen (heul!). Trotzdem steht fest: Auch ein übergewichti-ger Wyndorf lässt uns live nicht verhungern.
Sonntag, 2. August 2009
Stefan Gaffory: Kreisklassenhölle
Mit Kreisklassenhölle (Pro Business Verlag) hat Stefan Gaffory so etwas wie einen negativen Bildungsroman vorgelegt und gebärdet sich dabei wie ein von Hass getriebener Heinz Strunk: Der Held entwickelt sich vom naiven Landei zum absoluten Psychopathen. Während seiner Degeneration gerät er, da sich seine Rachepläne gegenüber der feindlichen Umwelt mit schöner Regelmäßigkeit gegen ihn selbst richten, in immer wahnwitzigere Situationen und Konflikte. Erschreckender Weise haben wir diese, wenn auch in meist abgeschwächter Form, so oder ähnlich schon selbst erlebt, so dass sich zahlreiche Punkte angewiderter Identifikation ergeben. Gaffory schreibt Lebensnah, hält sich gerne auf wo´s weh tut, hat also reichlich Street Credibility. Nervig ist allein der Hang des Autors sich über tausende Zeichen in übermäßiger Misanthropie zu aalen, dafür wird man allerdings alle paar Seiten mit einem echten Brüller belohnt: Gafforys Sinn für Situationskomik ist grandios und allein die Story wie der Held im Drogenrausch ein Stück Gammelfleisch zur Idol seiner noch zu gründenden Sekte zu stilisieren versucht, sollte dem Leser 237 Seiten literarische Selbstkasteiung wert sein.
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