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| Der Bomber zur Venus. |
Montag, 13. Januar 2014
Was das Rockjahr 2014 bringt: Heino headlined Wacken, Lemmy fliegt zur Venus und die Beatles-Reunion mit Dave Grohl
Montag, 30. Dezember 2013
Wölfe, die mit Watte werfen - Powerwolf
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| Bitte recht wolfig: Powerwolf Foto:Promo |
Sagen wir es geradeheraus: Powerwolf haben mit Heavy Metal in etwa so viel zu tun, wie „Phantom Of The Opera“ mit Verdi oder Rondo Veneziano mit Vivaldi. Musik-Ultras, die ihr Schwermetall gerne übel und gefährlich mögen, können mit dem etwas geschraubten Keyboard-Zuckerwerk der Saarländer daher verständlicherweise herzlich wenig anfangen. Wochenendmetaller, die einem kurzweiligen Musical-Spaß zwischen Popen-Blödsinn, Edguy-Ulk und Stephenie Meyer-Kitsch nicht abgeneigt sind, haben an einer Bibelstunde mit dem kalkgesichtigen Quintett aus Saarbrücken hingegen ihre helle Freude. Im Substage jedenfalls, wo Powerwolf ihren Fans vor ausverkauftem Haus am Freitag die Messe lasen, herrschte vom ersten Takt an derart ausgelassene Kreuzzugsstimmung, dass Papst Urban II. (rief 1095 zur ersten Kreuzfahrt auf) vermutlich Freudentränen vergossen hätte.
„Wolfsnacht, statt Weihnacht“, gab Sänger Attila Dorn, in
schwarzer Pluviale und Soutane optisch eine Mischung aus Dschingis Khan und orthodoxem
Priester, Weihrauchfässchen schwenkend gleich zu Beginn als Motto aus. Das
ließen sich die der feiertäglichen Beschaulichkeit offensichtlich müden
Besucher nicht zweimal sagen und schmetterten Powerwolf-typische bierzelt-,
Verzeihung, kirchentagstaugliche Gassenhauer wie „Amen and Attack“ oder
„Resurrection by Errection“ vom ersten Takt an aus vollem Halse frenetisch mit.
Dorns Operettengesang hingegen war zunächst weniger voluminös,
was der stets gut aufgelegte Entertainer allerdings durch allerlei Witzchen,
Bühnenkapriolen und gefälschten Rumänischen Akzent wieder wettmachte. Während
der gute Attila seine Stimmbänder nach ein paar wenigen Songs aufgewärmt hat, will
sich das manierierte Chargieren der übrigen Bandmitglieder hingegen nicht
verringern. Keyboarder Falk Maria Schlegel bearbeitet mit seinen Händen öfter
die Luft über seinem Kopf als die Tasten seines Instruments. Und die beiden
Gitarristen Charles und Matthew Greywolf lassen derart unentwegt die Münder
offenstehen (soll wohl irgendwie „wolfig“ wirken), dass wir versucht sind,
ihnen Nüsschen hineinzuwerfen.
Und damit wären wir beim großen Problem von Powerwolf: Unterhaltungswert
kann man dem von Dorns supereingängigen Gesangslinien getragenen einfach
strukturierten Powermetal der Saarbrücker nicht absprechen. Doch wo alles zur
Pose erstarrt, bleibt am Ende nicht mehr als bloße Unterhaltung. Die bietet
allerdings auch das Nachmittagsprogramm vom Mitteldeutschen Rundfunk. Heavy Metal
allerdings war mal mehr als unernste Kurzweil und Zerstreuung. Er sollte den
Hörer packen, wo es weh tut – und ihn nicht mit Zuckerwatte ersticken.
Freitag, 20. Dezember 2013
Ein Besuch im Ork-Kindergarten - Das Knockout-Festival in Karlsruhe
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| Sieht aus wie Barbie, rockt aber wie Big Jim: Doro Pesch. Fotos(3): Crazy Fink |
Tatsächlich aber ist diese Gleichmacherei in etwa so
fundiert, wie die Behauptung, alle Chinesen sähen gleich aus. Denn bei
genauerem Hinsehen entpuppt sich die nachtfarbene Metal-Uniform als zwar nach
bestimmten Regeln erstellter, aber höchst individuell gestalteter Ausweis der
eigenen musikalischen Präferenzen, ergo Persönlichkeit: Obligatorisch ist das
Band-Shirt mit dem Signet einer vom Träger geschätzten Gruppe. Diese sollte
entweder möglichst obskur sein, also breite Genrekenntnis signalisieren, oder,
im Falle populärer Bands wie Iron Maiden oder Metallica, möglichst verwaschen
sein, um langjährige Szenezugehörigkeit herauszustellen.
Darüber hinaus existiert eine ausgeklügelte anlassbezogene
Kleiderordnung, durch die geregelt ist, welche Hemden wann gezeigt werden
dürfen: Logos der auftretenden Band sind im Grunde tabu (es sei denn, das damit
bedruckte Textil ist ganz besonders ausgebleicht), solche wesensverwandter
Gruppen aber legitim. Folglich würde kein Metal-Fan bei Verstand im Leibchen einer
Softeis Metal-Truppe wie Nightwish eine Tech-Death Metal-Darbietung etwa von
Necrophagist besuchen. Davon, dass er das Shirt einer solchen Schlonz-Band gar
nicht besäße, einmal ganz abgesehen. Ausgenommen von der Norm sind Motörhead-Shirts,
die dürfen wegen des besonderen
Stellenwerts immer und überall getragen werden.
Ethnologisch interessant wäre noch eine der Untersuchung der
„Kutte“, einer Jeansweste, die ausgestattet mit einer Unzahl entsprechender
Aufnäher, noch differenzierter Auskunft über die musikalische Ausrichtung ihres
Besitzers gibt. Aber ein solches Vorhaben sprengte diesen Rahmen endgültig.
Wirft dieser Exkurs doch schon jetzt die Frage nach seine Sinnhaftigkeit auf.
Die lässt sich wie folgt beantworten: Ein übergroßer Anteil
der Knockout-Besucher gibt sich als Anhänger bestimmter Bands überhaupt nicht
zu erkennen. Es dominieren vielmehr Merchandise Produkte bestimmter
durchkommerzialisierter (Massen)Events, wie dem WOA oder Kreuzfahrten, auf
denen Rockbands statt Alleinunterhalter das Showprogramm bestreiten.
Metal-Fundamentalisten würden diese offensichtliche Abkehr
von der subkulturellen Individualisierung hin zur Sozialisierung als Symptom
der viel beklagten Ballermannisierung der Heavy-Szene interpretieren. Einer
quasi Überfremdung durch die sich Extrem-Musik Ultras in ihrem ureigenen Milieu
vom Mainstream-Publikum bedrängt fühlen. Ein nachvollziehbares Urteil, zumindest
für Menschen, die, um ein Beispiel aus einem anderen Popkulturellen Bereich
heranzuziehen, das Tragen von Calvin Klein-Unterhosen nicht als Kriterium für
Mode-Expertise gelten lassen.
Das musikalische Programm beim diesjährigen Knockout ist
zumindest streckenweise entsprechend: Lordi, eine martialisch kostümierte
Melange aus Kiss und Gwar, liefert den passenden Soundtrack zum
Hobbit-Kinostart. Das orchestrierte Ork-Gebrüll der Finnen gleicht der
Kampftechnik eines Höhlentrolls: nicht sonderlich filigran, aber effektiv. Denn
bei eingängigen Monster-Hymnen wie „Hardrock Halleluja“ oder „Sincerley with
love“, die wahrscheinlich auch die Ork-Kindergärtnerinnen den Ork-Kindern in
der Ork-Kita vorsingen, grölt die ganze Halle begeistert mit.
Die Mittelalter-Rocker Saltatio Mortis gehen kaum weniger
poppig und Klischee-behaftet ans Werk. Allerdings stehen sie damit anderen Vorreitern
des Genres wie Schandmaul oder In Extremo in nichts nach. Von den offenbar
zahlreich erschienenen Wochenend-Kriegern und Burgfräuleins werden sie entsprechend
abgefeiert. Nicht zu Unrecht, denn dass die Karlsruher mit Alea dem
Bescheidenen über einen dynamischen Frontmann verfügen und ihren Job so
einsatzfroh wie professionell erledigen, lässt sich nicht bestreiten. Ein
Extralob gibt es für einen pfiffigen Text mit aktuellem Bezug wie „Wachstum
über alles“ zur Melodie vom Deutschlandlied.
Dass nicht jeder Griff in die Stereotypenkiste in die
Peinlichkeit führt, beweist einmal mehr Doro Pesch. Die Düsseldorferin sieht
zwar aus wie Barbie in der Leder Corsage, rockt aber wie Big Jim. So kann die
deutsche Metal-Königin auch in ihrem dreißigsten Bühnenjahr noch überzeugen.
Hauptsächlich liegt das natürlich an unsterblichen Old School
Metal-Gassenhauern wie „Burning The Witches“ oder „All We Are“ – sogar ein
Schmachtfetzen wie „Für Immer“ ist aus dem Mund der zierlichen Blondine immer wieder
irgendwie anrührend – aber auch die jüngeren Songs fallen nicht groß ab.
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| (Hair)Metal-Queen für immer. |
Keinen Stimmungsabfall gab es auch bei den Rausschmeißern
Sabaton. Sänger Joakim Brodén hatte sein Publikum vom ersten Akkord an im Griff.
Für Anhänger der reinen Schule ist zwar auch der schnörkellose Power Metal der
runderneuerten Formation kein Leckerbissen (zu viel Keyboard-Puderzucker), das
Party-Publikum goutierte den Nachtisch aus Schweden aber umso mehr.
Dienstag, 17. Dezember 2013
Selbstgebrannter für die Seele - Dad Horse Experience
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| Hat den Blues: Dad Horse Ottn. Foto: Christan Kock/Promo |
So zu
musizieren muss doch unbequem sein: Dad Horse Htten, der Mann hinter der
Dad Horse Experience, sitzt am Donnerstag, 12. Dezember, im Karlsruher Kohi auf einem harthölzernen
Klappstuhl. Energisch am Banjo zupfend stampft er mit strümpfigen Füßen auf
einer Fußorgel herum. Beim Singen verdreht er die grünen Augen und lässt dabei
die Zunge heraushängen, als habe er sich an einem Löffel heißen Breis verschluckt.
Mit gequältem Blick, den ausladenden Ohren, dem schlecht sitzenden Spenzer und
ausgebeulten Bundfaltenhosen, sieht Ottn dabei aus, wie eine Mischung aus Prinz
Charles und arbeitslosem Buchhalter.
Begleitet
wird der schrullige Hotten von einer nicht minder absonderlichen Gestalt am
Schlagzeug. Ob diese Spenzer nebst
schlecht sitzender Herrenhose-Sache einfach nur die Banduniform ist, muss hier
offenbleiben. Einen bei der Arbeit mit
so stoisch grimmiger Gleichmütigkeit
über seine Fliege hinwegguckenden Schlagwerker hat man allerdings selten gesehen.
Dass angesichts
all dessen dann musikalisch ein gewisser Leidensdruck artikuliert wird, ist
klar: Hottnes traurig flotte Lieder handeln davon, wie man sich fühlt, wenn man
auf einer Party aufwacht, und die Gäste zum kotzen findet. Vom selbstgebrannten
Whiskey, “der einem Mann erst den Verstand, dann das Augenlicht und schließlich
die Seele nimmt. Oder vom Warten; auf die Pausenklingel, auf den
richtigen Partner, aufs Bier, auf den Tod - bis es schließlich zu spät ist.
Für die
Transformation der Seele und die Vergebung der eigenen Sünden. Das ist so
die Art von Drama, die Hottnes im Grunde eintönige, schwarzhumorige Dark
Folk-Moritaten dann doch wieder aufregend macht. Denn um unser Seelenheil
sorgen wir uns doch alle irgendwie, wenn wir ehrlich sind. Ganz besonders in
der Vorweihnachtszeit. Doch hier weiß Ottn Rat, denn “Spiritualität beginnt
doch da, wo man erkennt, dass man es selber nicht kann”. Und wenn es soweit
ist, stimmen wir am besten ein “Jesus-Lied” an, und bitten “den großen Klempner
da oben”, uns aus “der inneren Scheiße” zu helfen - indem er sie, puff,
in Gold verwandelt. Ein wahres Erweckungserlebnis, von dem sich die
Evangelikalen eine Hostie abschneiden können, amen!
Montag, 16. Dezember 2013
Auch Rocken will gelernt sein - Das Bandpusher Festival im Karlsruher Substage
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| Rock-Xenomorph: Adoney-Gitarrist JB Jables. Foto:Promo |
Den
Anfang vor der mehr als enttäuschenden Kulisse von vielleicht 50 Besuchern
machten And The Change. Die Bruchsaler spielen Altenative Rock. Der trompetige
Indie-Rock von Empty Redhouse rollte hintendrein schon ganz gut. Dass es allerdings
noch immer Bands gibt, die irgendwie originell finden, mit Hemd, Krawatte und
Panamahut auf die Bühne zu gehen, ist nahezu erschütternd. Das letzte Mal war
das bei Anthony Kiedis in den 90ern cool. Und 80er Metal-Gitarrensoli waren
damals schon out – zumindest unter Leuten die Ska mögen. Sehr geschmackvoll
waren hingegen einige Blueseinsprengsel der Rothäusler.
Seatime machten schon Aufgrund ihrer Instrumentierung neugierig, als diverse Banjos, Ukuleles,
Mandolinen und Lapsteel-Gitarren auf die Bühne getragen wurden. Überzeugen
konnte der dudelige U&D-Akustik-Rock des Quintetts dann aber umso weniger.
Zunächst! Denn nach ein paar belanglosen Songs nahmen die schon als
musikalische Leichtmatrosen abgetanen Seatimer dann doch noch eine
Kurskorrektur vor: Richtung amerikanischer Süden. Eine gute Entscheidung, denn
plötzlich war richtig Dampf im Kessel. Aus Versatzstücken des Country, Southern
Rock, Blues und Folk knüpften Seatime ein straffes Americana-Netz. Das kann
noch eine richtig originelle Band werden.
Soweit
sind Adoney schon, die sich heute aus dem Bandpusher-Programm verabschieden.
Der Umstand, dass man als Jugendlicher im Murktal offensichtlich nicht viel
anderes tun kann, als Platten hören und Musik machen, hat schon viele erstklassige Bands hervorgebracht.
Wird Zeit, dass endlich mal eine den nationalen Durchbruch schafft. Im Falle
Adoney stehen die Vorzeichen nicht schlecht. Mother Lovebone, Soundgarden,
Dinosaur Junior und Red Hot Chili Peppers nahmen in Papas Plattensammlung,
deren Studium sich das Quartett aus Gaggenau an langen Winternachmittagen
widmete, offenbar breiten Raum ein. Doch sind Adoney keine bloße Epigonen-Band,
sondern drücken durch pfiffiges Songwriting und spielerische Klasse ihren
eigenen Stempel in die runzelige Haut des Grunge-Genres. Und als wäre das nicht
genug, ist Gitarrist JB Jables ein klingendes Beispiel für die magischen Kräfte
des Rock´n´Roll. Die können aus einem Schluffie mit weichem Bauch und
Hornbrille wie nämlich, hex hex, eine Töne so ätzend wie der Rotz aus dem Maul des
Xenomorphen in Alien ausstoßende Rampensau machen. Ob die Aufsehen erregende
Gesamtleistung der Band jetzt irgendwie mit dem einjährigen Bandpusher-Training
zu tun hat, muss mangels Vergleichsmöglichkeit offen bleiben. Geschadet aber, hat
es ganz sicher nichts.
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