Montag, 13. Januar 2014

Was das Rockjahr 2014 bringt: Heino headlined Wacken, Lemmy fliegt zur Venus und die Beatles-Reunion mit Dave Grohl

Der Bomber zur Venus.
Zum Jahreswechsel sind allerlei mediale Rückblicke auf die vergangenen 365 Tage beliebt. Wir  schauen lieber in die Zukunft! Was offenbart uns der Blick in die magische Rock´n´Roll-Kristallkugel? Schlagerstar Heino bringt, nachdem „Mit freundlichen Grüßen“ sogar im Feuilleton punktete, noch ein Cover-Album raus. Doch nicht genug damit, dass die schwarzbraune Nemesis jedes aufrechten Rockfans jetzt auch wirkliche Genre-Klassiker volkstümlich verunstaltet. Diesmal provoziert der platinblonde Barde zusätzlich, indem er die Lieblingssongs auch noch mit selbstgedichteten Texten versieht. Zwar ist das ganze Projekt noch streng geheim, aber gegenüber THE BIG ROCKBLOG hat der Volksmusiker schon einmal exklusiv ein paar Songtitel ausgeplaudert: Als da wären „Back in black brown“, „Purple hazelnut“, „Reign in gentian blue“, „Black Barbara (bam-ba-lam)“ und „Caramba, caracho, Whiskey in the jar“. Weltpremiere feiert Heino mit diesem metallischen Programm mit straßen-credibiler Unterstützung von Bassist Onkel Tom Angelripper (ging den Umgekehrten Weg vom Metal zum Schlager), Angelo Sasso (böse Zungen behaupten, der Running Wild-Studioschlagzeuger sei nur ein Drum Computer. Jetzt will er das Gegenteil beweisen) und Dieter Bohlen (Gitarre) als Headliner des 25. WOA – neben den allmächtigen Metallica. Apropos Metallica; nach ihrem brausegesponserten 3D-Gastspiel am eisigen Südpol, planen die Metal-Titanen schon den nächsten PR-Coup. Diesmal soll es ein spektakuläres Konzert in sonnennäheren Gefilden geben; auf der Venus. Am Steuerknüppel der „Justice I“, die Jamez und Co zum Nachbarplaneten schippern soll, wird dabei kein geringerer sitzen als Lemmy Kilmister. Nachdem er mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit (2013 musste sich der alte Haudegen einen Herzschrittmacher einsetzen lassen und wegen des schleppend verlaufenden Genesungsprozesse alle Tour-Aktivitäten absagen) von Whiskey-Cola auf Rosé-Wein umgestiegen ist und täglich ein straffes Fitnessprogramm auf seinem stilecht mit Ape Hanger-Lenker und Eisernes-Kreuz-förmigen Rückspiegeln ausgestatteten Fahrradergometer absolviert, hat der Motörhead-Böss nämlich  ganz neue Seiten an sich entdeckt. Nach dem Führer- hat der eifrige Nazi-Memorabilien-Sammler gleich noch den Flugschein gemacht. Für Flugzeugbau („Bomber“) und Raketentechnik („Silver Machine“) hat sich der ehemalige Hawkwind-Space Rocker ja schon von je her interessiert. Und was soll ich sagen? Wer glaubt, das wären schon die heißesten News aus der Christallkugel, der irrt sich gewaltig! Nach 43 Jahren kommt sie nämlich endlich, die Beatles-Reunion – mit Dave Grohl. Den Grundstein für das von Millionen Fans erwartete Ereignis legte der Foo Fighters- und Ex-Nirvana-Mann im Sommer, als er mit McCartney in Seattle performte. Was für ein Jahr!

Montag, 30. Dezember 2013

Wölfe, die mit Watte werfen - Powerwolf

Bitte recht wolfig: Powerwolf Foto:Promo

Sagen wir es geradeheraus: Powerwolf haben mit Heavy Metal in etwa so viel zu tun, wie „Phantom Of The Opera“ mit Verdi oder Rondo Veneziano mit Vivaldi. Musik-Ultras, die ihr Schwermetall gerne übel und gefährlich mögen, können mit dem etwas geschraubten Keyboard-Zuckerwerk der Saarländer daher verständlicherweise herzlich wenig anfangen. Wochenendmetaller, die einem kurzweiligen Musical-Spaß zwischen Popen-Blödsinn, Edguy-Ulk und  Stephenie Meyer-Kitsch nicht abgeneigt sind, haben an einer Bibelstunde mit dem kalkgesichtigen Quintett aus Saarbrücken hingegen ihre helle Freude. Im Substage jedenfalls, wo Powerwolf ihren Fans vor ausverkauftem Haus am Freitag die Messe lasen,  herrschte vom ersten Takt an derart ausgelassene Kreuzzugsstimmung, dass Papst Urban II. (rief 1095 zur ersten Kreuzfahrt auf) vermutlich Freudentränen vergossen hätte.
„Wolfsnacht, statt Weihnacht“, gab Sänger Attila Dorn, in schwarzer Pluviale und Soutane optisch eine Mischung aus Dschingis Khan und orthodoxem Priester, Weihrauchfässchen schwenkend gleich zu Beginn als Motto aus. Das ließen sich die der feiertäglichen Beschaulichkeit offensichtlich müden Besucher nicht zweimal sagen und schmetterten Powerwolf-typische bierzelt-, Verzeihung, kirchentagstaugliche Gassenhauer wie „Amen and Attack“ oder „Resurrection by Errection“ vom ersten Takt an aus vollem Halse  frenetisch mit.
Dorns Operettengesang hingegen war zunächst weniger voluminös, was der stets gut aufgelegte Entertainer allerdings durch allerlei Witzchen, Bühnenkapriolen und gefälschten Rumänischen Akzent wieder wettmachte. Während der gute Attila seine Stimmbänder nach ein paar wenigen Songs aufgewärmt hat, will sich das manierierte Chargieren der übrigen Bandmitglieder hingegen nicht verringern. Keyboarder Falk Maria Schlegel bearbeitet mit seinen Händen öfter die Luft über seinem Kopf als die Tasten seines Instruments. Und die beiden Gitarristen Charles und Matthew Greywolf lassen derart unentwegt die Münder offenstehen (soll wohl irgendwie „wolfig“ wirken), dass wir versucht sind, ihnen Nüsschen hineinzuwerfen.
Und damit wären wir beim großen Problem von Powerwolf: Unterhaltungswert kann man dem von Dorns supereingängigen Gesangslinien getragenen einfach strukturierten Powermetal der Saarbrücker nicht absprechen. Doch wo alles zur Pose erstarrt, bleibt am Ende nicht mehr als bloße Unterhaltung. Die bietet allerdings auch das Nachmittagsprogramm vom Mitteldeutschen Rundfunk. Heavy Metal allerdings war mal mehr als unernste Kurzweil und Zerstreuung. Er sollte den Hörer packen, wo es weh tut – und ihn nicht mit Zuckerwatte ersticken.

Freitag, 20. Dezember 2013

Ein Besuch im Ork-Kindergarten - Das Knockout-Festival in Karlsruhe

Sieht aus wie Barbie, rockt aber wie Big Jim: Doro Pesch. Fotos(3): Crazy Fink
Für die Beschreibung der Besucher von einschlägigen Extremmusik-Ereignissen, wie etwa dem „Wacken Open Air“ (WOA), greifen subkulturell nicht ganz so bedarfte Kollegen gerne auf die Floskel von den „Schwarzen Horden“ zurück. Womit sie auf den vermeintlich einheitlichen Kleidungsstil der Metal Fans anspielen. So wird es auch wieder in der Nachberichterstattung des „Knockout Festival“ zu lesen sein, das am vergangenen Samstag zum sechsten Mal in der Karlsruher Europahalle abgehalten wurde. Waren Ränge und Parkett der Spielstätte von der überaus zahlreich erschienen Kundschaft doch nahezu geschwärzt und der Fotograben vor der Bühne bei den Auftritten von Bands wie Pink Cream 69, Saltatio Mortis, Doro oder Sabaton zum bersten gefüllt, was auf ein Medienaufgebot in Bataillonsstärke schließen ließ.
Tatsächlich aber ist diese Gleichmacherei in etwa so fundiert, wie die Behauptung, alle Chinesen sähen gleich aus. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die nachtfarbene Metal-Uniform als zwar nach bestimmten Regeln erstellter, aber höchst individuell gestalteter Ausweis der eigenen musikalischen Präferenzen, ergo Persönlichkeit: Obligatorisch ist das Band-Shirt mit dem Signet einer vom Träger geschätzten Gruppe. Diese sollte entweder möglichst obskur sein, also breite Genrekenntnis signalisieren, oder, im Falle populärer Bands wie Iron Maiden oder Metallica, möglichst verwaschen sein, um langjährige Szenezugehörigkeit herauszustellen.
Darüber hinaus existiert eine ausgeklügelte anlassbezogene Kleiderordnung, durch die geregelt ist, welche Hemden wann gezeigt werden dürfen: Logos der auftretenden Band sind im Grunde tabu (es sei denn, das damit bedruckte Textil ist ganz besonders ausgebleicht), solche wesensverwandter Gruppen aber legitim. Folglich würde kein Metal-Fan bei Verstand im Leibchen einer Softeis Metal-Truppe wie Nightwish eine Tech-Death Metal-Darbietung etwa von Necrophagist besuchen. Davon, dass er das Shirt einer solchen Schlonz-Band gar nicht besäße, einmal ganz abgesehen. Ausgenommen von der Norm sind Motörhead-Shirts, die dürfen  wegen des besonderen Stellenwerts immer und überall getragen werden.
Ethnologisch interessant wäre noch eine der Untersuchung der „Kutte“, einer Jeansweste, die ausgestattet mit einer Unzahl entsprechender Aufnäher, noch differenzierter Auskunft über die musikalische Ausrichtung ihres Besitzers gibt. Aber ein solches Vorhaben sprengte diesen Rahmen endgültig. Wirft dieser Exkurs doch schon jetzt die Frage nach seine Sinnhaftigkeit auf.
Die lässt sich wie folgt beantworten: Ein übergroßer Anteil der Knockout-Besucher gibt sich als Anhänger bestimmter Bands überhaupt nicht zu erkennen. Es dominieren vielmehr Merchandise Produkte bestimmter durchkommerzialisierter (Massen)Events, wie dem WOA oder Kreuzfahrten, auf denen Rockbands statt Alleinunterhalter das Showprogramm bestreiten.
Metal-Fundamentalisten würden diese offensichtliche Abkehr von der subkulturellen Individualisierung hin zur Sozialisierung als Symptom der viel beklagten Ballermannisierung der Heavy-Szene interpretieren. Einer quasi Überfremdung durch die sich Extrem-Musik Ultras in ihrem ureigenen Milieu vom Mainstream-Publikum bedrängt fühlen. Ein nachvollziehbares Urteil, zumindest für Menschen, die, um ein Beispiel aus einem anderen Popkulturellen Bereich heranzuziehen, das Tragen von Calvin Klein-Unterhosen nicht als Kriterium für Mode-Expertise gelten lassen.
Das musikalische Programm beim diesjährigen Knockout ist zumindest streckenweise entsprechend: Lordi, eine martialisch kostümierte Melange aus Kiss und Gwar, liefert den passenden Soundtrack zum Hobbit-Kinostart. Das orchestrierte Ork-Gebrüll der Finnen gleicht der Kampftechnik eines Höhlentrolls: nicht sonderlich filigran, aber effektiv. Denn bei eingängigen Monster-Hymnen wie „Hardrock Halleluja“ oder „Sincerley with love“, die wahrscheinlich auch die Ork-Kindergärtnerinnen den Ork-Kindern in der Ork-Kita vorsingen, grölt die ganze Halle begeistert mit.
Die Mittelalter-Rocker Saltatio Mortis gehen kaum weniger poppig und Klischee-behaftet ans Werk. Allerdings stehen sie damit anderen Vorreitern des Genres wie Schandmaul oder In Extremo in nichts nach. Von den offenbar zahlreich erschienenen Wochenend-Kriegern und Burgfräuleins werden sie entsprechend abgefeiert. Nicht zu Unrecht, denn dass die Karlsruher mit Alea dem Bescheidenen über einen dynamischen Frontmann verfügen und ihren Job so einsatzfroh wie professionell erledigen, lässt sich nicht bestreiten. Ein Extralob gibt es für einen pfiffigen Text mit aktuellem Bezug wie „Wachstum über alles“ zur Melodie vom Deutschlandlied.
(Hair)Metal-Queen für immer.
Dass nicht jeder Griff in die Stereotypenkiste in die Peinlichkeit führt, beweist einmal mehr Doro Pesch. Die Düsseldorferin sieht zwar aus wie Barbie in der Leder Corsage, rockt aber wie Big Jim. So kann die deutsche Metal-Königin auch in ihrem dreißigsten Bühnenjahr noch überzeugen. Hauptsächlich liegt das natürlich an unsterblichen Old School Metal-Gassenhauern wie „Burning The Witches“ oder „All We Are“ – sogar ein Schmachtfetzen wie „Für Immer“ ist aus dem Mund der zierlichen Blondine immer wieder irgendwie anrührend – aber auch die jüngeren Songs fallen nicht groß ab.
Keinen Stimmungsabfall gab es auch bei den Rausschmeißern Sabaton. Sänger Joakim Brodén hatte sein Publikum vom ersten Akkord an im Griff. Für Anhänger der reinen Schule ist zwar auch der schnörkellose Power Metal der runderneuerten Formation kein Leckerbissen (zu viel Keyboard-Puderzucker), das Party-Publikum goutierte den Nachtisch aus Schweden aber umso mehr.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Selbstgebrannter für die Seele - Dad Horse Experience

Hat den Blues: Dad Horse Ottn. Foto: Christan Kock/Promo
So zu musizieren muss doch unbequem sein:  Dad Horse Htten, der Mann hinter der Dad Horse Experience, sitzt am Donnerstag, 12. Dezember,  im Karlsruher Kohi auf einem harthölzernen Klappstuhl. Energisch am Banjo zupfend stampft er mit strümpfigen Füßen auf einer Fußorgel herum. Beim Singen verdreht er die grünen Augen und lässt dabei die Zunge heraushängen, als habe er sich an einem Löffel heißen Breis verschluckt. Mit gequältem Blick, den ausladenden Ohren, dem schlecht sitzenden Spenzer und ausgebeulten Bundfaltenhosen, sieht Ottn dabei aus, wie eine Mischung aus Prinz Charles und arbeitslosem Buchhalter. 

Begleitet wird der schrullige Hotten von einer nicht minder absonderlichen Gestalt am Schlagzeug. Ob diese Spenzer nebst schlecht sitzender Herrenhose-Sache einfach nur die Banduniform ist, muss hier offenbleiben. Einen bei der Arbeit  mit so stoisch  grimmiger Gleichmütigkeit über seine Fliege hinwegguckenden Schlagwerker hat man allerdings selten gesehen.

Dass angesichts all dessen dann musikalisch ein gewisser Leidensdruck artikuliert wird, ist klar: Hottnes traurig flotte Lieder handeln davon, wie man sich fühlt, wenn man auf einer Party aufwacht, und die Gäste zum kotzen findet. Vom selbstgebrannten Whiskey, “der einem Mann erst den Verstand, dann das Augenlicht und schließlich die Seele nimmt. Oder vom Warten;  auf die Pausenklingel, auf den richtigen Partner, aufs Bier, auf den Tod - bis es schließlich zu spät ist.

Für die Transformation der Seele und die Vergebung der eigenen Sünden.  Das ist so die Art von Drama, die Hottnes im Grunde eintönige, schwarzhumorige Dark Folk-Moritaten dann doch wieder aufregend macht. Denn um unser Seelenheil sorgen wir uns doch alle irgendwie, wenn wir ehrlich sind. Ganz besonders in der Vorweihnachtszeit. Doch hier weiß Ottn Rat, denn “Spiritualität beginnt doch da, wo man erkennt, dass man es selber nicht kann”. Und wenn es soweit ist, stimmen wir am besten ein “Jesus-Lied” an, und bitten “den großen Klempner da oben”, uns aus “der inneren Scheiße” zu helfen -  indem er sie, puff, in Gold verwandelt. Ein wahres Erweckungserlebnis, von dem sich die Evangelikalen eine Hostie abschneiden können, amen!


Montag, 16. Dezember 2013

Auch Rocken will gelernt sein - Das Bandpusher Festival im Karlsruher Substage

Rock-Xenomorph: Adoney-Gitarrist JB Jables. Foto:Promo
Wer denkt, das Musikerleben bestehe neben ein bisschen Rumfiedeln auf der Bühne im Wesentlichen aus Poolpartys und Hotelzimmerrandale, irrt. Rocken ist harte Arbeit. Die will gelernt sein. Und auch die organisatorischen und  buchhalterischen Seiten des auf den zweiten Blick gar nicht so glamourösen Showgeschäfts sollte der moderne Rockstar im Auge behalten, will er sicherstellen, dass die Millionen aus Gagen und Tantiemen nicht in die Taschen windiger Plattenbosse und skrupelloser Manager wandern, sondern auch im eigenen Sparstrumpf was hängen bleibt. Junge Bands fit zu machen für das Abenteuer Rockbiz, hat sich das Karlsruher Popnetz zur Aufgabe gemacht. Am Samstag stellten sich im Substage die Gruppen vor, die im kommenden Jahr das Förderprogramm „Bandpusher“ durchlaufen werden.
Den Anfang vor der mehr als enttäuschenden Kulisse von vielleicht 50 Besuchern machten And The Change. Die Bruchsaler spielen Altenative Rock. Der trompetige Indie-Rock von Empty Redhouse rollte hintendrein schon ganz gut. Dass es allerdings noch immer Bands gibt, die irgendwie originell finden, mit Hemd, Krawatte und Panamahut auf die Bühne zu gehen, ist nahezu erschütternd. Das letzte Mal war das bei Anthony Kiedis in den 90ern cool. Und 80er Metal-Gitarrensoli waren damals schon out – zumindest unter Leuten die Ska mögen. Sehr geschmackvoll waren hingegen einige Blueseinsprengsel der Rothäusler. 
Seatime machten schon Aufgrund ihrer Instrumentierung neugierig, als diverse Banjos, Ukuleles, Mandolinen und Lapsteel-Gitarren auf die Bühne getragen wurden. Überzeugen konnte der dudelige U&D-Akustik-Rock des Quintetts dann aber umso weniger. Zunächst! Denn nach ein paar belanglosen Songs nahmen die schon als musikalische Leichtmatrosen abgetanen Seatimer dann doch noch eine Kurskorrektur vor: Richtung amerikanischer Süden. Eine gute Entscheidung, denn plötzlich war richtig Dampf im Kessel. Aus Versatzstücken des Country, Southern Rock, Blues und Folk knüpften Seatime ein straffes Americana-Netz. Das kann noch eine richtig originelle Band werden.
Soweit sind Adoney schon, die sich heute aus dem Bandpusher-Programm verabschieden. Der Umstand, dass man als Jugendlicher im Murktal offensichtlich nicht viel anderes tun kann, als Platten hören und Musik machen, hat  schon viele erstklassige Bands hervorgebracht. Wird Zeit, dass endlich mal eine den nationalen Durchbruch schafft. Im Falle Adoney stehen die Vorzeichen nicht schlecht. Mother Lovebone, Soundgarden, Dinosaur Junior und Red Hot Chili Peppers nahmen in Papas Plattensammlung, deren Studium sich das Quartett aus Gaggenau an langen Winternachmittagen widmete, offenbar breiten Raum ein. Doch sind Adoney keine bloße Epigonen-Band, sondern drücken durch pfiffiges Songwriting und spielerische Klasse ihren eigenen Stempel in die runzelige Haut des Grunge-Genres. Und als wäre das nicht genug, ist Gitarrist JB Jables ein klingendes Beispiel für die magischen Kräfte des Rock´n´Roll. Die können aus einem Schluffie mit weichem Bauch und Hornbrille wie nämlich, hex hex, eine Töne so ätzend wie der Rotz aus dem Maul des Xenomorphen in Alien ausstoßende Rampensau machen. Ob die Aufsehen erregende Gesamtleistung der Band jetzt irgendwie mit dem einjährigen Bandpusher-Training zu tun hat, muss mangels Vergleichsmöglichkeit offen bleiben. Geschadet aber, hat es ganz sicher nichts.