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Sonntag, 6. Mai 2018

House Of Broken Promises: Twisted


Mit House Of Broken Promises melden sich die beiden ehemaligen Unida-Mannen Arthur Seay (Gitarre) und Miguel Cancino (Drums) zurück auf der Bildfläche. Allerdings gibt’s mit „Twisted“ und „Toranado“ leider nur zwei originäre neue Songs, die allerdings klingen als wären sie von Golden Earing, Tito And Tarantula und Kyuss im Drogenrausch gemeinsam eingespielt worden. Bedeutet also: Maximaler Spaßfaktor. Das Billy Squire-Cover „The Stroke“ geht ebenfalls in Ordnung, an ursprünglich von Dio eingesungenen Songs, kann man sich hingegen nur die Finger verbrennen (hier: „Lady Evil“). Dazu gibt´s zwei Demo- und einen Live-Song. Was nicht unbedingt B-Ware, aber natürlich Abstriche beim Sound bedeutet. Nach so langer Zeit hätte ich mir insgesamt mehr erwartet.

Montag, 15. Februar 2016

Wildern in Opas Plattensammlung - Pristine

Tromsø in Norwegen ist die nördlichste Großstadt der Welt. Da sind die Nächte lang und die Winter kalt und man hat viel Zeit sich mit Opas Plattensammlung auseinanderzusetzen. Auf ihrem ersten international erscheinenden Longplayer lassen PRISTINE folglich Sounds ertönen, die schon unseren Vorfahren lieb und teuer waren: Auf „Reboot“ finden sich flotte, DEEP-PURPLE-angehauchte Rocker wie “All of my Love” oder das Tanz-animative “Bootie Call”. Der Jazz-rockige Titeltrack wiederum erinnert ein wenig an die Prog-Pioniere COLOSSEUM. Bei „The Middlemen“  lugt dann SANTANA zwischen allen Gitarrensaiten hervor, während das atmosphärische „California“ den FLEETWOOD MAC der Peter-Green-Ära huldigt. Schließlich gibt es mit “All I want is you” sogar noch ein nettes Psychedelic-Ballädchen (Schrummelorgeln, Hallgitarren und alles). Dabei sind PRISTINE keine bloßen Retro-Schrammler, sondern hörbar richtig gute Musiker, allen voran Sängerin Heidi Solheim. Was vielleicht fehlt, sind ein zwei wirklich herausragende Ohrwürmer, aber Psychedelic-Freaks und Fans klassischen Rocks sollten PRISTINE eine Chance geben.
Machen auch im Schnee Spaß: Pristine Foto: Marius Fiskum
 

Montag, 30. November 2015

Unter Egos - Deep-Purple-Basser Roger Glover wird 70

Ist im Flow: Roger Glover auf der Bühne mit Deep Purple 2013 in Spanien. Foto: Carlos Delgado

Obwohl Roger Glover 50 Prozent einer der besten Rhythmussektionen der Rockgeschichte bildet, hat der Bassist neben all den Egomanen und Virtuosen in Deep Purple immer eher ein Schattendasein geführt. Dass ist nicht nur wegen seines einfachen, ja minimalistischen, aber umso kraftvolleren, flüssigen und präzisen Spiels ungerecht (man höre sich nur die atemberaubenden Bassläufe auf „Highway Star“an), auch außerhalb von DP hat Roger Glover, der am heutigen Montag, 30. November, 70 Jahre alt wird, eine erfolgreiche Karriere als Musikproduzent  hingelegt. In den 70ern und 80ern  verhalf der Waliser nicht nur Acts wie Nazareth oder Judas Priest zu Charterfolgen, sondern vor allem auch Rainbow, der neuen Band seines ehemaligen Bandkollegen Ritchie Blackmore. Und das obwohl dieser ein paar Jahre zuvor noch Glovers Rausschmiss aus Deep Pruple auf deren Karrierehöhepunkt veranlasst hatte.
Bis heute sind Deep Purple nicht nur eine der größten, sondern zweifelsohne auch eine der am fleißigsten tourenden Bands. Obendrein beschränken sich die Rockgroßväter nicht darauf, als wandelnde Oldie-Show durch die Lande zu tingeln. Mit ihrem jüngsten Output "NOW What?!" gelang es dieser großen alten Band auch einmal mehr zu beweisen, dass sie auch fast ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung noch relevant ist. Nun lassen Deep Purple ihrem Erfolgsalbum gleich zwei Liveaufnahmen folgen (VÖ, 28. August, Edel): "From The Setting Sun... (In Wacken)" entstand vor der Kulisse eines Sonnenuntergangs auf dem Wacken Open Air 2013, "...To The Rising Sun (In Tokyo)" im April 2014 im berühmten Nippon Budokan in Tokyo. Dem gleichen Ort, wo 1972 das legendäre Live-Album Made in Japan entstand..


BRB: Wie man auf der DVD sehen kann – und bei der Wacken-Show habe ich es auch selbst erlebt – sind Deep Purple noch immer relevant für junge Leute. Erstaunt dich das?
RG: Das ist sicherlich sehr bemerkenswert und wir sind darüber sehr glücklich. Denn das bedeutet unser Publikum wächst. Früher haben wir für Teenager gespielt, dann für Eltern und jetzt treten wir vor Großeltern, Eltern und Teenagern auf. Vielleicht liegt das an der Wahrhaftigkeit unserer Musik. Oder daran, dass es etwas aus den 70ern ist. Das scheint für die Leute attraktiver zu sein als Musik, die von Maschinen erzeugt wird.
Hättest Du dir als junger Kerl in den 60ern denn ein paar alte Typen angeschaut, die Rock´n´Roll spielen?
RG: Wahrscheinlich nicht. Schließlich hat Rock´n´Roll hat ja auch erst 1955/56 angefangen mit Chuck Berry und Elvis. Aber wir liebten und spielten den Blues. Also gingen wir auf die Suche nach den Wurzeln des Rock´n´Roll und des Blues. Folglich haben wir uns schon Leute angehört die über 50 oder 60 waren.
Du warst auch an der Produktion der beiden Livealben beteiligt. Schon in den 70ern hast Du neben deinem Hauptjob bei Deep Purple auch jede Menge Bands produziert. Dazu gehörten große Namen wie Judas Priest, Nazareth, Elf, Status Quo oder die Ian Gillan Band. War das ein Karrieresprung den du geplant oder war das eher Zufall?
RG: (lacht) Das weitsichtigste, was ich an irgendeinem Tag meiner Karriere habe planen können, war das Frühstück.  Es war eine Verkettung glücklicher Umstände. Deep Purple haben in den frühen Jahren wirklich sehr hart gearbeitet. Eine der Bands, mit denen wir arbeiteten hieß Nazareth. 1972 rief mich deren Management an und fragte, willst Du Nazareth produzieren. Ich hatte bis dahin noch überhaupt nichts wirklich produziert, aber ich habe mit ihnen ein Album aufgenommen. Anschließend ging ich wieder mit Deep Purple auf Tour. Aber Mitte 1973 habe ich Deep Purple verlassen – unter nicht allzu rühmlichen Umständen, denn eigentlich hatte ich Deep Purple nicht verlassen wollen –, aus politischen Gründen. Also kam ich ziemlich deprimiert aus Japan zurück. Und wenn ich sage deprimiert, meine ich: Es war ein wirklich herber Schlag. 1973 waren Deep Purple die größte Band der Welt und rausgeschmissen zu werden, war eine ganz bittere Pille. Ich fühlte mich, als habe man mich einfach in den Mülleimer geworfen. Dann schlug ich die Zeitung auf und las, dass „Razamanaz“ auf Platz vier der Albumcharts stand. Ganz plötzlich war ich also ein Erfolgsproduzent. Geplant war das also sicher nicht.
Deep Purple haben damals nicht mit externen Produzenten gearbeitet, sondern den Job selbst gemacht. 
RG: Deep Purple haben sich zwar selbst produziert, dass bedeutete aber lediglich, dass einer auf den Aufnahmeknopf drückte und wir angefangen haben zu spielen. 
Du hattest also keine wirklichen Vorbilder, von denen Du dir etwas hättest abschauen können?
RG: Ich erinnere mich noch an eine meiner ersten Produktionen. Ich kam ins Studio und fragte die Techniker, wo sitzt denn der Produzent normalerweise? Sie haben sich kaputtgelacht und gesagt, Du bist der Produzent, Du kannst sitzen, wo du willst.
Was macht Deiner Ansicht nach einen guten Produzenten aus?
RG: Es gibt Produzenten, die kommen mehr aus der technischen Ecke und andere eher aus der musikalischen. Ich gehöre zu den Letzteren. Ich denke, es ist die Aufgabe eines Produzenten im Studio eine Atmosphäre zu schaffen, die den Künstler dazu anregt, seine beste Leistung zu bringen. Aber ich wusste schon genug über die Technik, um zu merken, wenn mich einer verarschen wollte. 
Ein Meilenstein der Rockgeschichte, den du produziert hast, ist „Sin After Sin“ von Judas Priest. Er markiert die Abkehr der Band vom Rocksound der frühen Jahre, hin zum Heavy Metal, der ihr Markenzeichen werden sollte. Welche Rolle hast Du dabei gespielt?
RG: Wenn ich mir das Album heute anhöre, klingt es für mich nicht besonders metallisch. Durch Umstände, die sich meiner Kontrolle entzogen, haben Priest ihren damaligen Schlagzeuger (John Hinch, Anm. d. Verf.) und heuerten Simon Phillips als Session Drummer an. Der ist zwar ganz bestimmt kein Metal Schlagzeuger, aber er hat es echt drauf. Ich denke, „Sin After Sin“ ist kein Metal Album, aber man kann schon hören, was Judas Priest einmal werden würden. Wie dem auch sei, viele Leute sagen mir noch immer, es sei ihr Lieblings-Priest-Album.
Tatsächlich? Meins ist es nämlich auch.
RG: (lacht) Nun, Judas Priest sind eine klasse Band, sie hatten viel zu geben und sie wussten, was sie wollten. Das macht es für den Produzenten natürlich einfacher, als wenn er es mit Musikern zu tun hat, die man erstmal auf die Schiene setzen muss.
Du bist also eher mit dem Strom mitgeschwommen?

RG: Naja, was kann ein Produzent schon groß machen? Hier ein wenig bei den Texten oder den Kompositionen helfen, dort die Arrangements etwas straffen, sich um das Mixing kümmern. Das ist ein Tausendsassa-Job, wenn Sie so wollen.
Auf der anderen Seite saßt Du auch während der Joe Lynn Turner-Ära bei Rainbow hinter den Reglern. Die war kommerziell sehr erfolgreich, ist wegen der eher poppigen Ausrichtung vielen Rock Fans aber verhasst. 
RG: Das Problem war… Also Ronnie James Dio habe ja eigentlich ich entdeckt. Ich hatte drei Alben seiner früheren Band Elf produziert und wir waren ziemlich gute Freunde geworden. So hat es mich ziemlich überrascht, als Ritchie Blackmore die Band übernommen und daraus Rainbow gemacht hat. Als er mir dann aber „Stargazer“ (vom zweiten Rainbow Album „Risings“, Verf.) vorspielte, hat mich das schlicht umgehauen, ein wundervolles Kunstwerk, einfach brillant. Aber es hat sich nicht gut genug verkauft, um die Band am Laufen zu halten. Wir hatten beide dasselbe Management und die haben mich gefragt, wir verkaufen nicht genug Platten, kannst Du uns helfen, das Ruder herum zu reißen? Das habe ich geschafft, „Down To Earth“ (mit Graham Bonnet am Micro, da Ronnie James Dio den Schwenk hin zu mehr Radiofreundlichkeit nicht hatte mitmachen wollen, Verf.) hat sich verkauft wie geschnitten Brot. Andererseits mögen die Fans eben keine Veränderung. Alles soll so bleiben, wie es immer gewesen ist. Unglücklicherweise ändern sich die Dinge aber, Menschen verändern sich. In Deep Purple hören wir das die ganze Zeit. Ritchie ist nicht mehr dabei, John ist nicht mehr dabei, ach, das sind doch gar nicht mehr Deep Purple. Das muss man akzeptieren. Aber wie gesagt, die Dinge ändern sich, und manchmal sogar Fans. 
Gab es für Sie überhaupt viel zu produzieren? Ritchie Blackmore hat den Ruf eines sehr zielstrebigen, um nicht zu sagen gewissenlosen, Künstlers. Dann hatte er dich ein paar Jahre vorher bei Deep Purple ausgebootet. Wie konnte die Zusammenarbeit überhaupt funktionieren?
RG: Das musst Du Ritchie Blackmore fragen. Ich habe bis zum heutigen Tag nicht kapiert, warum ich überhaupt bei Deep Purple rausgeflogen bin. Aber womöglich hat der Umstand, dass ich mir eine erfolgreiche zweite Karriere aufgebaut hatte, ihn dazu bewogen, seine Meinung über mich noch einmal zu überdenken. Und die Zeit heilt viele Wunden. Ich für meinen Teil hegte ohnehin keinen Groll gegen Ritchie. Er hatte mir gesagt, schau her, nimm es nicht persönlich, es geht nur ums Geschäft. Er war also wenigstens ehrlich. Als er mir dann drei Jahre später “Stargazer” vorgespielt hat, musste  ich nicht lange überlegen. Es war eine gute Karrierechance für mich. Als wir daran gingen „Down To Earth“ aufnahmen, sollte ich ausschließlich als Produzent fungieren. Aber sie fanden weder eine Bassisten, noch einen Sänger, der mit Ritchie Songs hätte schreiben können, also habe ich auch diese Rollen übernommen. Aber erst als das Album fertig war, sagten Cozy Powell und Don Airey, du solltest eigentlich auch in der Band sein. Als dann ein paar Wochen später der Anruf kam, habe ich nicht gezögert, denn ich hatte es sehr vermisst, in einer Band zu sein und auf Tour zu gehen. Sechs Jahre hatte ich nur in Studios verbracht. Das hat zwar auch Spaß gemacht, aber mir liegt das reisen im Blut. Sonst würde ich es nicht seit 50 Jahren machen. Ich muss es also irgendwie mögen (lacht).
Womit hast Du bis zum Comeback der Band 1984  mehr Geld verdient, damit der Basser in Deep Purple zu sein oder der Produzent von Rainbow?
RG: Puh, das ist eine verdammt gute Frage. Ich weiß, das klingt jetzt unglaubwürdig, aber ich habe mich nie groß ums Geld geschert. Mir ging es immer um die Musik. Die Musik war für mich der Antrieb. Solange ich meine Miete bezahlen konnte, war mir mein Verdienst egal. Ich habe also wirklich keine Ahnung, was mehr oder weniger war.  

Sonntag, 12. April 2015

Was für ein Haufen Koyotenscheiße! - Die neue Electro Baby

Mit „Flies are happy about Coyote shit“ (Eucalypdisc Records) schlagen ElectroBaby wieder eine rockigere Richtung ein. Nachdem sich die Karlsruher in jüngerer Vergangenheit mehr und mehr in metallischen Ecken herumgedrückt hatten, gibt es auf Album Nummer fünf verstärkt Einflüsse von Black Sabbath, Led Zeppelin (zum Unmut des Rezensenten), der frühen Black Label Society (jener längst vergangenen  Ära, in der Zakk Wylde noch nicht wie eine kastrierte Landschildkröte gesungen hat) und Down zu hören. Wobei EB ähnlich wie die beiden letztgenannten Bands die eine oder andere Blues- und Southern Rock-Note in ihren Sound einstreuen. Zu entdecken gibt es auf „Flies are happy about Coyote shit“ darüber hinaus eine Vielzahl origineller Riffs, jede Menge einfallsreicher Breaks und etliche gelungene Soundspielereien. Soweit die guten Nachrichten! Ein wenig schade ist derweil, dass EB ohrenscheinlich Opfer ihres eigenen Kreativschubs geworden sind und vor lauter pfiffigen Einfällen vergessen haben, Songs zu schreiben. Kaum hat man sich auf ein Gitarrenlick, ein Gesangsthema oder eine Basslinie eingegroovt, haben EB schon wieder eine ganz andere Idee, was man alles noch Tolles spielen könnte und schlagen eine ganz andere Richtung ein. So fällt es oft schwer, Strophen oder Refrain eindeutig zu identifizieren. Das kann spannend sein. Die Stoner-Väter Black Sabbath hatten diesen anarchischen Songwriting-Ansatz perfektioniert. Um mit „Behind the wall of sleep“ nur ein Beispiel zu nennen, haben Tony Iommi und Co bei aller Verspieltheit aber immer darauf geachtet, den Hörer mit dem einen oder anderen Ohrwurm zu fesseln. Hier hat das musikalische Hakenschlagen aber zur Folge, dass von „Flies are happy about Coyote shit“ auch nach mehrfachem Durchhören relativ wenig dauerhaft hängenbleibt. Mit Ausnahmen: „Lone Wolf“ frisst sich mit einem so einfachen wie genialen Blues-Lick direkt in die Gehörgänge, „City Of Sleep“ hat einen einprägsamen Refrain, in dem der alte Grunzer El Matador seine Stimme in gänzlich ungeahnte Höhen schraubt und das absolute Album-Highlight „Lords Of Destruction“ schließlich besticht durch ein episch monumentales Gitarrenriff, das zwar ziemlich dreist bei „Headless Cross“ abgekupfert ist, was dem Ergebnis aber nicht den geringsten Abbruch tut. Zweifellos ein künftiger Live-Klassiker! „Flies are happy about Coyote shit“ ist also ganz bestimmt kein schlechtes Album, aber man wird angesichts der Qualität der Einzelteile das Gefühl nicht los, dass EB hier die Chance vertan haben, ein ganz großes Ganzes zu schaffen. Mit einem fähigen Produzenten mit einer klaren Vision wäre hier noch viel mehr drin gewesen.
Erhältlich ist das Teil zum Download hier. Die Vinyl- oder CD-Version gibt es hier.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Schon mal ´nen Flugsaurier singen hören? - Adoney gewinnen New.Bands.Festival


 Gewinnertypen: Adoney. FOTO: SVEN VITTOZ
Die Rockband Adoney hat das New-Bands-Festival 2013/14 gewonnen: Mit ihrem erderschütternden Dinosaurier-Sound murgtalensis nahmen die Gaggenauesen das Substage im Sturm: Dem angegrungeten Monster Rock von JB Jables (Raptor-Gitarre), Chris Schottmüller (Triceratops-Bass), Alex Kohl (Donnerechsen-Drums) und Lars Barkawitz (Quetzalcoatlus-Vocals) hatte an diesem Abend keine andere Band auch nur das geringste entgegenzusetzen. Auf diese vier können sich die Festbesucher im Sommer wahrhaft freuen. Aber Vorsicht, Sicherheitsabstand halten, sonst: crunch!
Zweite wurden die Power Popper FoFo Tank, die Punkband Cheaper Than Money  Publikumssieger. Die Folk-Gruppe Seatime wurde dritte. Der Gesamtgewinner spielt auf der Hauptbühne bei „Das Fest“, auf den Zweitplatzierten wartet ein Slot beim Uni-Fest, die Band mit den meisten Besucherstimmen darf in der Günther Klotz-Anlage auf der Feldbühne spielen.
Den Auftakt des Saisonfinals am Samstag, 15.2. im Substage spielten And The Change. Das Quartett bot rhythmisch abwechslungsreichen Indie-Rock. Dabei erwiesen sich die Bruchsaler spielerisch als durchaus finalwürdig. Bemerkenswert, spielen sie doch erst seit knapp zwei Jahren zusammen. Allerdings konnte ihr Songmaterial über die volle Distanz nicht gänzlich überzeugen. Ebenso Sänger Niklas Mayer, der vor allem in den höheren Lagen zu kämpfen hatte.
Ein erstes Hochlicht entzündeten Something Redefined (SR). New Rock´n´Roll nennen die Schwarzwälder ihre Musik. Neu war der Sound des Quartetts aus Waldbronn/Karlsbad im Grunde nicht – dafür aber zeitlos schön. Eingängiger Street Rock, mal mit Punk-, mal mit 70er-Schlagseite, war angesagt. Gaslight Anthem, Bad Religion und Airborne hinterließen ihre Fußabdrücke auf dem benzinglänzenden Asphalt. Feine Hooks und dazu einige dezente Zwillingsgitarren-Einsätze setzten noch einmal drei Oktan zu. Trotz der klassischen Elemente, wirkte das Gemisch von SR nie gekünstelt oder altbacken. Richtig Klasse! Von dieser Band werden wir in der Region noch hören.
Die Melodic Hardcore-Karte, die SR nur aus dem Ärmel ragen ließen, spielten  Cheaper Than Money (CTM). Und die Karlsruher spielten sie gut, sehr gut. Zwar sorgten CTM für mächtig Rappeln im Karton, sprich Bewegung vor der Bühne. Leider fehlte den Karlsruhern noch ein wenig die Kraft, um den tödlichen Punch zu setzen. In Anbetracht dessen, dass die vier Billigheimer im Durchschnitt gerade einmal zarte 17 Jahre alt sind, haben sie aber noch genügend Zeit, sich die paar zum echten Schwergewicht fehlenden Kilo anzufuttern. Keine Bange, diese Band wird ihr Potential noch ausschöpfen.
Fofo Tank aus dem pfälzischen Bad Bergzabern überraschten ob ihres putzigen Namens mit fetzigem Powerpop und gekonnt eingedampfter Funk-Bügelfalte, aufgeraut mit ein paar Indie-Fusseln. Sehr nett, aber wegen zahlreicher stilistischer Verwicklungen (Pop, Hip Hop, Funk, Rock) insgesamt zu zerfahren.
Seatime punkteten mit origineller Instrumentierung: Banjo, Ukulele, Mandoline und Lapsteel-Gitarre. Und dem Umstand, dass sie es tatsächlich schafften, dem (musikalisch bei Gott nicht sehr variablen) Kumbaja-Folk-Genre noch ein paar Songs abzutrotzen, die bisher noch niemand geschrieben hatte. Macht schon irgendwie Laune – in der Bauwagen-Burg.
Unterm Strich erlebten die 500 Zuschauer eines der hochklassigsten Finals der letzten Jahre. Geht es so weiter, blickt der zwischenzeitlich auch mal schwächelnde Wettbewerb für aufstrebende Bands aus der erweiterten Region in eine rosige Zukunft.