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Sonntag, 20. März 2016

Lemmy hat mich beinahe umgebracht! - Anthrax-Gitarrist Scott Ian im Interview


Der Mann, der noch schneller spricht als er spielt: Scott Ian mit Anthrax live 2012. Foto: Jonas Rogowski
Neben Exodus, Slayer und Metallica gehören Anthrax ohne Zweifel zu den Mitbegründern des Thrash Metal Genres. Jener Spielart extremer Musik, mit der einige Aufrührer dem in heroischer Pose erstarrenden klassischen Metal zu Beginn der 80er bewaffnet mit Kettensägen-Riffs und Presslufthammer-Drums zu aufgedunsenem Leibe rückte. Die Songs wurden kürzer und brutaler. Und statt von Verliesen und Drachen zu singen, schrien die jungen Wilden düstere Endzeitvisionen voller Tod und Gemetzel in die von der atomaren Bedrohung überschattete Welt hinaus.  Doch selbst neben diesen Aufwieglern wirkten Anthrax irgendwie anders: Während sich die Bands von der Westküste mit Killer-Nieten behängten und albtraumhafte Kreaturen oder Pentagramme auf ihre Plattenhüllen drucken ließen, wählten sich die New Yorker den pfannkuchengesichtigen Grinsekopf „Not Man“ zum Maskottchen und ließen sich mit Skateboards ablichten. Ende Februar erschien ihr jüngstes Album „For All Kings“ (Nuclear Blast/Warner Music). Es ist ihr 11. in 35 Jahren Bandgeschichte. Während all dieser Zeit blieb Scott Ian die einzige Konstante. Wie sich beim Interview herausstellt, spricht der 52-Jährige Ziegenbartträger genauso schnell und pointiert wie er Gitarre spielt.   
The Big rock Blog: Nach einem Niedergang Mitte der 90er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends erlebt der Thrash Metal gerade wieder eine Renaissance. Alte Bands wie Slayer oder Megadeth segeln vor frischem Wind und auch junge Fans und Musiker interessieren sich wieder für das Genre. Erlebst du das auch so?
Scott Ian: Hm, darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht. Ich gehe einfach jeden Tag zur Arbeit bei der Anthrax AG. Das ist ein wenig, wie in einer Seifenblase zu leben. Ob in den 90ern irgendetwas relevant war oder heute wieder relevant ist, darauf habe ich nie geachtet. Wir waren immer gut im Geschäft, wenn das Ihre Frage beantwortet.
Anthrax waren als Band also immer gleich stark gefragt?
Nun ja, von 1997 bis 2000 war die Lage kommerziell gesehen nicht so rosig wie zuvor. Aber ich denke, solche Schwankungen sind normal, wenn man so lange dabei ist wie wir – das gilt wohl für jede Branche.
Seine Geburtsstunde und erste Blüte erlebte Thrash Metal in den 80er Jahren. Damals war die Bedrohung eines Nuklearkrieges sehr real und allgegenwertig. Heute fürchten wir den Terrorismus. Sind bedrückende Zeiten gute Zeiten für aggressive Musik?
Puh, auch darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber ich kann mir vorstellen, dass man diese Theorie beweisen könnte. Als wir anfingen in den 80ern war Reagan Präsident, das waren definitiv gruselige Zeiten…
Anthrax Gründungsbassist Dan Lilker, mit dem du später noch bei den Crossover-Pionieren S.O.D. spieltest, nannte nach seinem Abgang seine neue Band sogar Nuclear Assault.
Ja, es herrschte eine beklemmende Stimmung und Thrash Metal wurde geboren. Dann passierten die Anschläge vom 11. September 2001 und Thrash wurde größer und größer. Verrückterweise ist diese Musik heute kommerziell erfolgreicher als sie es in den 80er Jahren jemals war. Ja, es scheint so zu sein: Je schlimmer die Dinge auf unserem Planeten stehen, desto bedeutender wird Thrash Metal (lacht).
Indessen scheinen heute viele Leute vergessen zu haben, was für eine beklemmende Stimmung in den 80ern herrschte. Ich kenne die Verbrechensstatistik von New York, wo du aufgewachsen bist, aus diesen Jahren nicht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dort damals pro Jahr mehr Leute erschossen und abgestochen wurden, als die knapp 3000 Menschen, die beim Anschlag auf das World Trade Center umgekommen sind.
Oh ja, die Verbrechensrate war viel höher. Allerdings war das New York der späten 70er und frühen 80er, in dem ich aufgewachsen bin, eine völlig andere Welt. Als 13-Jähriger war es das absolut größte für mich, in die Stadt zu gehen und in den Plattenläden von Greenwich Village abzuhängen. Es war viel gefährlicher, aber trotzdem auch irgendwie unschuldiger. Vielleicht war auch nur ich unschuldiger. Ich war ein Teenager, aber ich nahm keine Drogen und beging keine Verbrechen. Ich wusste, dass es diese Dinge gab und wo, aber ich hielt mich fern davon. Gut, ich habe mir mal einen gefälschten Ausweis gekauft, um in Clubs reinzukommen. Und einmal hat mich auf dem Times Square einer mit dem Messer bedroht. Ich habe dem Typen meine 15 Dollar gegeben und hatte natürlich auch Angst, aber ich dachte nicht, dass ich jetzt sterbe. Heute dagegen muss man, egal wo man ist, damit rechnen, sein Leben zu verlieren. Egal, ob durch religiöse Fanatiker oder auch nur irgendeinen verdammten Irren mit einer Knarre, der entscheidet, dass er heute in einer Schule rumballern muss. Nehmen Sie nur den Angriff aus den Musikclub Bataclan in Paris, wo gerade die Eagles Of Death Metal spielten. Wobei man einräumen muss, dass zumindest hier in Amerika, der einheimische Terrorismus ein ernsteres Problem darstellt als der von außen kommende. Es gibt mehr Amerikaner, die Amerikaner töten als religiöse Extremisten, die Attentate begehen.
In den 80ern war Terrorismus etwas, das anderswo passierte, in Nordirland zum Beispiel…
…genau, oder im Mittleren Osten, in Palästina. Jedenfalls war Terrorismus damals nicht Teil meines Lebens. Heute muss ich mich, da ich auf dieser Erde lebe, zwangsläufig damit auseinandersetzen. Als Kid in den 80ern habe ich mir nicht ständig Sorgen gemacht, dass wir uns als Spezies mit Atombomben auslöschen könnten. Wenn ich aber jetzt einen Bahnhof betrete, geht es mir durch den Kopf, dass jeden Augenblick einer mit einem Bombengürtel um den Bauch auf den Bahnsteig rennen könnte. Im Dezember war ich bei der Premiere von Star Wars – mit meiner Familie. Es ist ein großes Ereignis und es sind jede Menge Leute da und in mir steigt der Gedanke auf, „was, wenn jetzt einer losballert?“.  Das ist die Welt in der wir heute leben!
Reden wir von erfreulicheren Dingen. Ihr habt eine neue Platte aufgenommen, darauf sind wieder ein paar richtige Ohrwürmer. Gibt es einen Grund dafür, dass die Thrash Bands von der Ostküste wie Anthrax oder Overkill schon immer etwas melodischer waren als die Westküstenbands wie Exodus  oder Slayer?
Darüber denke ich nicht nach. Wir planen nicht, was für Lieder wir schreiben. Wir gehen zu dritt in den Proberaum und legen los. Wir versuchen Musik zu machen, die uns die Haare schütteln lässt und Songs zu komponieren, die wir nirgendwo anders hören können. So halten wir es seit 1981.
„For all Kings“ ist ein für manche überraschend starkes Album geworden. Es ist das erste seit „Worship Music“ von 2011, das gemischte Reaktionen erntete. Davor gab es acht Jahre lang keine neuen Aufnahmen, sondern Querelen in der Band, die mit zahlreichen Besetzungswechseln einhergingen. Hattet ihr etwas zu beweisen?
Nein, die Meinung von anderen ist mir egal – abgesehen von den Jungs in der Band.
Wenn du an neuen Songs arbeitest, bist du eher ein  Hamsterer, der erst tausende von Riffs hortet und dann das meiste verwirft oder schreibst du eher wenig und nimmst das dann auch alles?
Es ist eher so, dass ich die eine oder andere Idee, die mir in den Sinn kommt, wenn ich die Gitarre zur Hand nehme, mit dem Telefon aufnehme. Wenn wir dann in der Band an Songs arbeiten und es würde passen, krame ich sie dann wieder hervor. Ich bin also kein Hamsterer. Mir kommen die besten Ideen, wenn ich mit Charlie (Benante) und Frankie (Bello) unserem Bassist gemeinsam zocke.
Nochmal zurück in die 80er. Anthrax waren nicht nur Mitbegründer der Thrash Metal-Szene. Sie waren mit ihrem Nebenprojekt S.O.D. (1985), Anthrax- Songs wie „I´m the Man“ (1987) und einer Kollaboration mit Public Enemy („Bring the Noise“, 1991) auch stilbildend für das Crossover Genre, in dem sich Elemente von Hip Hop, Hardcore und Metal verbanden. Was später sehr erfolgreiche Bands wie Korn oder Limp Bizkit inspirierte.
Ja, stimmt.
Heute läuft zwischen der Metal- und der  Hip Hop-Szene so gut wie nichts mehr. Was ist passiert?
Keine Ahnung. Wahrscheinlich hat keiner mehr eine gute Idee für sowas gehabt, ich jedenfalls hatte keine mehr seit der Sache mit Public Enemy (lacht).
Ihr wart damals mit denen auf Tour. Sind da zwei Welten aufeinander geprallt? Chuck D hat mal gesagt, einige der Shows auf dieser Konzertreise wären mit das härteste gewesen, was er je mitgemacht habe.
Nein, wir waren einfach ein Haufen New Yorker, die gemeinsam etwas völlig Neues, Einmaliges auf die Beine gestellt haben. Eine Metal Band und eine Rap Band, die gemeinsam auf Tour gingen, das hatte es nie zuvor gegeben. Es war ein fantastisches Erlebnis. Wobei wir – das muss ich ehrlich sagen – auch an viele Orte gekommen sind, wo die Leute für so etwas noch nicht bereit waren. Aber wir hatten wie gesagt eine Menge Spaß, weil wir so sehr liebten, was wir taten.
Ende vergangenen Jahres ist Szene-Übervater Lemmy Kilmister gestorben. In dem Rockumentarfilm "49% motherfucker. 51% son of a bitch" von 2010 über ihn hast du einen Auftritt und erzählst diese urkomische Story, wie sie mit seiner Band Motörhead im selben Studiokomplex aufnahmen und dir der frisch ins sonnige Kalifornien umgezogene Lemmy täglich in diesen Hot Pants-artigen ultrakurzen Hosen über den Weg gelaufen sei, die tiefer blicken ließen als dir lieb war. Lemmy, von ihnen darauf angesprochen, meinte mit Blick auf eure knielangen Beinkleider nur ganz trocken: „Es ist warm draußen, deshalb trage ich Shorts und habe es kühl. Das hingegen sind lange Hosen“.  Das ist eine meiner Lieblingsstellen im Film…
…oh, danke schön…
…hast du vielleicht nochso eine gute Geschichte über ihn?
Keine, für die ich nicht eine halbe Stunde brauchte, um sie zu erzählen (lacht). Das erste Mal habe ich Lemmy 1985 in einer Bar in London getroffen. Und ich versuchte mit ihm mitzuhalten beim Trinken, denn er war ja mein Held. Das war aber ein verdammt schwerer Fehler. Um es kurz zu machen: Zwei Tage später kam ich in einem Münchner Hotelzimmer wieder zu mir während ein Arzt mir eine Spritze verpassen wollte, weil ich eine üble Alkoholvergiftung hatte und mich ständig erbrach Ich wehrte mich mit Händen und Füßen, weil ich überzeugt war, er sei der Nazi-Doktor aus dem Film „Marathon Man“. Es war eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. Ich kann also von mir sagen, Lemmy hat mich 1985 beinahe umgebracht.  Ziemlich verrückt, was?
Diese Geschichte erzählst du ebenfalls in deinem Spoken-Word-Programm, mit dem du auch schon auf Festivals wie dem Wacken Open Air aufgetreten bist. Machst du das noch gelegentlich?
Wenn ich die Zeit habe. Es ist aber schwierig ein Zeitfenster dafür zu finden, weil Anthrax ständig spielen. Aber Lust hätte ich schon.
Was macht den Reiz daran aus, Leuten Geschichten über Heavy Metal zu erzählen, wenn man stattdessen selbst mit der eigenen Heavy Metal Band auf der Bühne stehen könnte?
Wenn ich keine Gitarre umhängen habe und nicht mit der Band spiele, habe ich die alleinige Verantwortung. Es gibt nur mich und das Mikrofon und die Leute, die von mir unterhalten werden möchte. Das gefällt mir daran.
Ein weiteres Hobby von dir ist Poker. Ein Online-Poker-Anbieter hat dich sogar mal als Profi unter Vertrag genommen. Du musst also ziemlich gut sein. Was ist das faszinierende an dem Spiel?
Das war mal. Ich habe schon seit fünf Jahren nicht mehr ernsthaft gespielt. Online-Poker ist in den U.S.A seit 2011 verboten. Das war so ziemlich das Ende meiner Spieler-Laufbahn.
Von der Band oder der Crew will niemand mit dir spielen?
Nein, keiner von meinen Freunden spielt noch Poker mit mir. Nicht einmal, wenn ich verspreche, es langsam angehen zu lassen.
Noch mal zurück zur Musik. Du hast mal gesagt, dass Accept einer deiner Haupteinflüsse als Gitarrist waren. Wann und wie hast du die Deutschen Metal-Pioniere entdeckt?
In den frühen 80ern waren meine Freunde und ich ständig auf der Jagd nach der nächsten härtesten Band der Welt. Irgendjemand kam dann mit „Breaker“ (drittes Accept Album, erschienen 1982) an und wir sind total auf die Scheibe abgefahren. Für mich war das die härteste Platte aller Zeiten – bis (der Nachfolger) „Restless and Wild“ herauskam. Von 1982 bis ´84 haben wir kaum was anderes gehört, nichts war so heftig wie Accept. Sie waren die metallischste Metal Band, die es gab.
Hast du sie auch live erlebt?
Sie kamen nach New York im Vorprogramm von Kiss. Wir kauften uns natürlich Tickets für die Show in der Radio City Music Hall. Aber am Tag zuvor spielten sie im The Mid-Hudson Civic Center in Poughkeepsie im Staat New Xork, etwa 80 Meilen nördlich von New York City. Wir fuhren hin, denn wir wollten unbedingt die ersten sein, die Accept sehen – Den Auftritt Kiss haben wir nicht mal abgewartet. So konnten wir unseren anderen Freunden am nächsten Tag erzählen, wir haben Accept schon gestern Abend gesehen und sie waren unglaublich. Dann haben wir Kiss wieder nicht angeschaut, sondern sind nach Brooklyn gefahren, weil Accept dort nachts um eins noch eine zweite Show in einem Club spielten. Dort war die Hölle los. Der Laden war vielleicht für 1200 oder 1500 Besucher ausgelegt, aber es waren bestimmt mehr als 2000 da, die komplett ausgerastet sind. Es war ein verdammt geiles Konzert.
War das nicht ein großes Opfer für dich, zweimal auf Kiss zu verzichten für Accept? Ich dachte, du wärst auch ein ziemlich fanatischer Fan von denen.
Stimmt, aber Kiss-Fan war ich nur von 1975 bis 1978. Nach „Alive II“ waren sie mir herzlich egal.

 

Montag, 30. November 2015

Unter Egos - Deep-Purple-Basser Roger Glover wird 70

Ist im Flow: Roger Glover auf der Bühne mit Deep Purple 2013 in Spanien. Foto: Carlos Delgado

Obwohl Roger Glover 50 Prozent einer der besten Rhythmussektionen der Rockgeschichte bildet, hat der Bassist neben all den Egomanen und Virtuosen in Deep Purple immer eher ein Schattendasein geführt. Dass ist nicht nur wegen seines einfachen, ja minimalistischen, aber umso kraftvolleren, flüssigen und präzisen Spiels ungerecht (man höre sich nur die atemberaubenden Bassläufe auf „Highway Star“an), auch außerhalb von DP hat Roger Glover, der am heutigen Montag, 30. November, 70 Jahre alt wird, eine erfolgreiche Karriere als Musikproduzent  hingelegt. In den 70ern und 80ern  verhalf der Waliser nicht nur Acts wie Nazareth oder Judas Priest zu Charterfolgen, sondern vor allem auch Rainbow, der neuen Band seines ehemaligen Bandkollegen Ritchie Blackmore. Und das obwohl dieser ein paar Jahre zuvor noch Glovers Rausschmiss aus Deep Pruple auf deren Karrierehöhepunkt veranlasst hatte.
Bis heute sind Deep Purple nicht nur eine der größten, sondern zweifelsohne auch eine der am fleißigsten tourenden Bands. Obendrein beschränken sich die Rockgroßväter nicht darauf, als wandelnde Oldie-Show durch die Lande zu tingeln. Mit ihrem jüngsten Output "NOW What?!" gelang es dieser großen alten Band auch einmal mehr zu beweisen, dass sie auch fast ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung noch relevant ist. Nun lassen Deep Purple ihrem Erfolgsalbum gleich zwei Liveaufnahmen folgen (VÖ, 28. August, Edel): "From The Setting Sun... (In Wacken)" entstand vor der Kulisse eines Sonnenuntergangs auf dem Wacken Open Air 2013, "...To The Rising Sun (In Tokyo)" im April 2014 im berühmten Nippon Budokan in Tokyo. Dem gleichen Ort, wo 1972 das legendäre Live-Album Made in Japan entstand..


BRB: Wie man auf der DVD sehen kann – und bei der Wacken-Show habe ich es auch selbst erlebt – sind Deep Purple noch immer relevant für junge Leute. Erstaunt dich das?
RG: Das ist sicherlich sehr bemerkenswert und wir sind darüber sehr glücklich. Denn das bedeutet unser Publikum wächst. Früher haben wir für Teenager gespielt, dann für Eltern und jetzt treten wir vor Großeltern, Eltern und Teenagern auf. Vielleicht liegt das an der Wahrhaftigkeit unserer Musik. Oder daran, dass es etwas aus den 70ern ist. Das scheint für die Leute attraktiver zu sein als Musik, die von Maschinen erzeugt wird.
Hättest Du dir als junger Kerl in den 60ern denn ein paar alte Typen angeschaut, die Rock´n´Roll spielen?
RG: Wahrscheinlich nicht. Schließlich hat Rock´n´Roll hat ja auch erst 1955/56 angefangen mit Chuck Berry und Elvis. Aber wir liebten und spielten den Blues. Also gingen wir auf die Suche nach den Wurzeln des Rock´n´Roll und des Blues. Folglich haben wir uns schon Leute angehört die über 50 oder 60 waren.
Du warst auch an der Produktion der beiden Livealben beteiligt. Schon in den 70ern hast Du neben deinem Hauptjob bei Deep Purple auch jede Menge Bands produziert. Dazu gehörten große Namen wie Judas Priest, Nazareth, Elf, Status Quo oder die Ian Gillan Band. War das ein Karrieresprung den du geplant oder war das eher Zufall?
RG: (lacht) Das weitsichtigste, was ich an irgendeinem Tag meiner Karriere habe planen können, war das Frühstück.  Es war eine Verkettung glücklicher Umstände. Deep Purple haben in den frühen Jahren wirklich sehr hart gearbeitet. Eine der Bands, mit denen wir arbeiteten hieß Nazareth. 1972 rief mich deren Management an und fragte, willst Du Nazareth produzieren. Ich hatte bis dahin noch überhaupt nichts wirklich produziert, aber ich habe mit ihnen ein Album aufgenommen. Anschließend ging ich wieder mit Deep Purple auf Tour. Aber Mitte 1973 habe ich Deep Purple verlassen – unter nicht allzu rühmlichen Umständen, denn eigentlich hatte ich Deep Purple nicht verlassen wollen –, aus politischen Gründen. Also kam ich ziemlich deprimiert aus Japan zurück. Und wenn ich sage deprimiert, meine ich: Es war ein wirklich herber Schlag. 1973 waren Deep Purple die größte Band der Welt und rausgeschmissen zu werden, war eine ganz bittere Pille. Ich fühlte mich, als habe man mich einfach in den Mülleimer geworfen. Dann schlug ich die Zeitung auf und las, dass „Razamanaz“ auf Platz vier der Albumcharts stand. Ganz plötzlich war ich also ein Erfolgsproduzent. Geplant war das also sicher nicht.
Deep Purple haben damals nicht mit externen Produzenten gearbeitet, sondern den Job selbst gemacht. 
RG: Deep Purple haben sich zwar selbst produziert, dass bedeutete aber lediglich, dass einer auf den Aufnahmeknopf drückte und wir angefangen haben zu spielen. 
Du hattest also keine wirklichen Vorbilder, von denen Du dir etwas hättest abschauen können?
RG: Ich erinnere mich noch an eine meiner ersten Produktionen. Ich kam ins Studio und fragte die Techniker, wo sitzt denn der Produzent normalerweise? Sie haben sich kaputtgelacht und gesagt, Du bist der Produzent, Du kannst sitzen, wo du willst.
Was macht Deiner Ansicht nach einen guten Produzenten aus?
RG: Es gibt Produzenten, die kommen mehr aus der technischen Ecke und andere eher aus der musikalischen. Ich gehöre zu den Letzteren. Ich denke, es ist die Aufgabe eines Produzenten im Studio eine Atmosphäre zu schaffen, die den Künstler dazu anregt, seine beste Leistung zu bringen. Aber ich wusste schon genug über die Technik, um zu merken, wenn mich einer verarschen wollte. 
Ein Meilenstein der Rockgeschichte, den du produziert hast, ist „Sin After Sin“ von Judas Priest. Er markiert die Abkehr der Band vom Rocksound der frühen Jahre, hin zum Heavy Metal, der ihr Markenzeichen werden sollte. Welche Rolle hast Du dabei gespielt?
RG: Wenn ich mir das Album heute anhöre, klingt es für mich nicht besonders metallisch. Durch Umstände, die sich meiner Kontrolle entzogen, haben Priest ihren damaligen Schlagzeuger (John Hinch, Anm. d. Verf.) und heuerten Simon Phillips als Session Drummer an. Der ist zwar ganz bestimmt kein Metal Schlagzeuger, aber er hat es echt drauf. Ich denke, „Sin After Sin“ ist kein Metal Album, aber man kann schon hören, was Judas Priest einmal werden würden. Wie dem auch sei, viele Leute sagen mir noch immer, es sei ihr Lieblings-Priest-Album.
Tatsächlich? Meins ist es nämlich auch.
RG: (lacht) Nun, Judas Priest sind eine klasse Band, sie hatten viel zu geben und sie wussten, was sie wollten. Das macht es für den Produzenten natürlich einfacher, als wenn er es mit Musikern zu tun hat, die man erstmal auf die Schiene setzen muss.
Du bist also eher mit dem Strom mitgeschwommen?

RG: Naja, was kann ein Produzent schon groß machen? Hier ein wenig bei den Texten oder den Kompositionen helfen, dort die Arrangements etwas straffen, sich um das Mixing kümmern. Das ist ein Tausendsassa-Job, wenn Sie so wollen.
Auf der anderen Seite saßt Du auch während der Joe Lynn Turner-Ära bei Rainbow hinter den Reglern. Die war kommerziell sehr erfolgreich, ist wegen der eher poppigen Ausrichtung vielen Rock Fans aber verhasst. 
RG: Das Problem war… Also Ronnie James Dio habe ja eigentlich ich entdeckt. Ich hatte drei Alben seiner früheren Band Elf produziert und wir waren ziemlich gute Freunde geworden. So hat es mich ziemlich überrascht, als Ritchie Blackmore die Band übernommen und daraus Rainbow gemacht hat. Als er mir dann aber „Stargazer“ (vom zweiten Rainbow Album „Risings“, Verf.) vorspielte, hat mich das schlicht umgehauen, ein wundervolles Kunstwerk, einfach brillant. Aber es hat sich nicht gut genug verkauft, um die Band am Laufen zu halten. Wir hatten beide dasselbe Management und die haben mich gefragt, wir verkaufen nicht genug Platten, kannst Du uns helfen, das Ruder herum zu reißen? Das habe ich geschafft, „Down To Earth“ (mit Graham Bonnet am Micro, da Ronnie James Dio den Schwenk hin zu mehr Radiofreundlichkeit nicht hatte mitmachen wollen, Verf.) hat sich verkauft wie geschnitten Brot. Andererseits mögen die Fans eben keine Veränderung. Alles soll so bleiben, wie es immer gewesen ist. Unglücklicherweise ändern sich die Dinge aber, Menschen verändern sich. In Deep Purple hören wir das die ganze Zeit. Ritchie ist nicht mehr dabei, John ist nicht mehr dabei, ach, das sind doch gar nicht mehr Deep Purple. Das muss man akzeptieren. Aber wie gesagt, die Dinge ändern sich, und manchmal sogar Fans. 
Gab es für Sie überhaupt viel zu produzieren? Ritchie Blackmore hat den Ruf eines sehr zielstrebigen, um nicht zu sagen gewissenlosen, Künstlers. Dann hatte er dich ein paar Jahre vorher bei Deep Purple ausgebootet. Wie konnte die Zusammenarbeit überhaupt funktionieren?
RG: Das musst Du Ritchie Blackmore fragen. Ich habe bis zum heutigen Tag nicht kapiert, warum ich überhaupt bei Deep Purple rausgeflogen bin. Aber womöglich hat der Umstand, dass ich mir eine erfolgreiche zweite Karriere aufgebaut hatte, ihn dazu bewogen, seine Meinung über mich noch einmal zu überdenken. Und die Zeit heilt viele Wunden. Ich für meinen Teil hegte ohnehin keinen Groll gegen Ritchie. Er hatte mir gesagt, schau her, nimm es nicht persönlich, es geht nur ums Geschäft. Er war also wenigstens ehrlich. Als er mir dann drei Jahre später “Stargazer” vorgespielt hat, musste  ich nicht lange überlegen. Es war eine gute Karrierechance für mich. Als wir daran gingen „Down To Earth“ aufnahmen, sollte ich ausschließlich als Produzent fungieren. Aber sie fanden weder eine Bassisten, noch einen Sänger, der mit Ritchie Songs hätte schreiben können, also habe ich auch diese Rollen übernommen. Aber erst als das Album fertig war, sagten Cozy Powell und Don Airey, du solltest eigentlich auch in der Band sein. Als dann ein paar Wochen später der Anruf kam, habe ich nicht gezögert, denn ich hatte es sehr vermisst, in einer Band zu sein und auf Tour zu gehen. Sechs Jahre hatte ich nur in Studios verbracht. Das hat zwar auch Spaß gemacht, aber mir liegt das reisen im Blut. Sonst würde ich es nicht seit 50 Jahren machen. Ich muss es also irgendwie mögen (lacht).
Womit hast Du bis zum Comeback der Band 1984  mehr Geld verdient, damit der Basser in Deep Purple zu sein oder der Produzent von Rainbow?
RG: Puh, das ist eine verdammt gute Frage. Ich weiß, das klingt jetzt unglaubwürdig, aber ich habe mich nie groß ums Geld geschert. Mir ging es immer um die Musik. Die Musik war für mich der Antrieb. Solange ich meine Miete bezahlen konnte, war mir mein Verdienst egal. Ich habe also wirklich keine Ahnung, was mehr oder weniger war.  

Freitag, 20. November 2015

The Return of the Mango Kid - Danko Jones ist wieder in Hochform

Danko Jones 2015 auf dem Wacken Open Air. Foto: Frank Schwichtenberg (CC)
Zwölf Alben in 18 Jahren, dazu nicht weniger als 30 Europa-Abstecher, ein Spoken Words-Album, Vortragsreisen und Kolumnen in Musikzeitschriften,  da könnte einem glatt die Puste ausgehen. Nicht so Danko Jones. Zu Jahresbeginn hat der kanadische Rockaholic mit „Fire Music“ ganz im Gegenteil  ein ziemlich schmissiges Album herausgebracht.  Am Dienstag machte das Power Trio auf seiner aktuellen Tour  im Karlsruher  Substage Station. Der Big Rock Blog sprach mit Danko Jones.

BRB: Nach ein paar Exkursionen in Classic-Rock-Gefilde habt ihr auf eurem jüngsten Album „Fire Music“ den Punk- und Garage-Rock-Anteil wieder erfreulich hochgefahren. 

Danko Jones: Öhm, ja.

Kannst Du das vielleicht etwas näher erläutern?

Wir haben auf dem  Album mehr Wert auf die Melodien gelegt und ja, manche Songs gehen verstärkt in Richtung Punkrock. Was allerdings die von dir angesprochenen Ausflüge in den Classic Rock angeht, bin ich mir nicht sicher, ob das Ausflüge waren.

Ihr habe also keine bewusste Entscheidung für einen Richtungswechsel getroffen?

Nein, nicht einmal annähernd. Wir wollten einfach zugänglichere Songs schreiben.

 „Twisting Knife“ zum Beispiel  hat eine sehr melancholische Schlagseite, etwas, was ich in eurer Musik bislang nicht wahrgenommen habe. 

Nun ja, „Twisting Knife“ ist eine klassische Mörderballade. Es geht also um einen Mord und da geht es selbstverständlich düster und  melancholisch zu. Wir haben sowas aber schon früher gemacht. Du kannst als Band schließlich keine zehn Alben mit der immer gleichen Emotion rausbringen.

Ich habe euch auf einer euren frühen Tourneen durch Europa (im alten Substage, Verf.) das erste Mal live gesehen. Im Vorprogramm der Backyard Babies – ihr habt die übrigens ziemlich weggeblasen –, das muss so 2001 gewesen sein…

…(lacht) ja, das ist ein Weilchen her, müsste hinkommen.

Eure Show hatte etwas, was ich aber nicht recht greifen konnte. Erst Jahre später, als ich dein Spoken-Words-Album gehört habe, wo du beschreibst wie sehr dich Solomon Burke beeinflusst habe, wurde mir klar, dass es dieser Soul-Einschlag war.

Ja, sein Doppelalbum „Soul Alive!“ hat mich sehr beeindruckt. Aber auch bei Iggy Pop habe ich mir einiges abgeschaut, was die Art und Weise angeht, wie man das Publikum anspricht. 

Ende Januar veröffentlicht ihr euren diesjährigen Auftritt auf dem Wacken Open Air auf CD, DVD  und BluRay. Das machen gerade eine Menge Bands. Ist es atmosphärisch so Besonders dort zu spielen?

Das Festival bietet dir einfach alle Möglichkeiten für Liveaufnahmen. Wenn du dort spielst, gehst du mit Film- und Tonaufnahmen in anständiger Qualität nach Hause. 

Ich war ein paar Mal dort, aber jetzt meide ich es. Die Leute schießen die ganze Zeit nur Selfies, statt den Bands zuzuhören. Das nervt.

Aber das ist das Publikum, nicht das Festival. Ob du gerade die Straße herunterläufst, im Bus sitzt Die Leute machen heute überall Selfies, auf jedem Konzert, auf jeder Dance-Party, ob sie gerade die Straße runtergehen oder im Bus sitzen. Ich glaube, das hat nichts mit Wacken zu tun.

 Aber stört es dich nicht, wenn du ein Konzert gibst und die Zuschauer filmen die ganze Zeit?

Natürlich ist es ein wenig idiotisch, sich ein Konzert über einen winzigen Monitor anzuschauen, wenn man es gleichzeitig mit eigenen Augen verfolgen könnte. Aber wenigstens schauen sie sich die Show noch an.  Es macht mir also nicht allzu viel aus. Wenn die Leute allerdings die ganze Zeit Twittern und Texten und nur auf ihr Telefon starren, frage ich mich schon, was das soll.

Mit Rich King habt ihr euren 8ten Drummer an Bord…

…nein, er ist erst der 7te…

Was macht den Drumhocker bei Danko Jones zu einem Schleudersitz?

Es gibt uns seit fast 20 Jahren, da sind 7 Drummer doch gar nicht so viel. Aber von außen erweckt das natürlich den Eindruck, als seien in der Band lauter Diven, schwierige Persönlichkeiten, die sich nicht zusammenreißen können. Aber eigentlich sind wir sehr umgänglich und mit vielen Leuten in unserem Umfeld, unserem Label unserer Crew arbeiten wir schon seit 2001zusammen. Allerdings waren viele Leute, die in der Vergangenheit in der Band waren, sehr große Drama Queens. Und wir sind keine Band, die Zeit für Drama im Sinne von überflüssigem Schwachsinn hat.

Wo wir gerade von Drummern reden. Vor ein paar Tagen ist Phil „Philthy Animal“ Taylorgestorben. Du bist doch großer Motörhead-Fan, willst Du dazu etwas sagen?

Ja, das ist wirklich sehr traurig. Mit 61 Jahren ist er wirklich sehr früh gestorben. Er hat auf so vielen großartigen Songs gespielt. Er war ein Pionier des Heavy-Drumming.
Zum Abschluss: Was können die Fans von den kommenden Shows erwarten.
Songs! Ich weiß nicht, was ich sonst auf diese Frage antworten soll, als Songs. Gibt es noch mehr, was man erwarten können sollte?

Nein, das war eigentlich eine ziemlich perfekte Antwort auf meine Frage.

Montag, 31. August 2015

Live is the Blues, man! - Pentagram´s Bobby Liebling on the devil, drugs and rock´n´roll


Evil eyes: Bobby Liebling 2013 on stage in Berlin. Pictures (3) Nicolas Coitino
No doubt! Bobby Liebling is one of the most colourful (and tragic) figures in rock´n´roll. For the past 40 years the sepulchral voiced singer has fronted seminal US-doomsters Pentagram. Tagged as the American answer to Black Sabbath right from the start, Pentagram never quite fulfilled what they had promised (at least financially). Mainly due to Lieblings drug habit and erratic behaviour. Now, 61 year old Liebling is more or less sober for four years and his band have recorded some of their strongest material ever. On the other hand, as he told BRB in a rare interview, Liebling has to deal with personal issues and is struggling not to fall into relapse.  

BRB: Songs like “Death Row”, “All Your Sins” or “Forever My Queen” might be untouchable, but as a body of work in my opinion “Curious  Volume” is the best album Pentagram ever made. 

Bobby Liebling: That means a lot coming from someone as knowledgeable as you.  Thank You from the bottom of my heart!  This is my favorite Pentagram album.  Not only did I get to finally properly record some old songs such as “Earthflight” but we got great new numbers on there that fit well within the band’s legacy.   We are lucky as a band to have fans of the 1970s-era of the band which is best known from Relapse’s “First Daze Here” volumes.  We were a hard rock band bent on the occult and sex, drugs and rock-n-roll.  It was dirty, heavy blues rock from the streets.  We didn’t mean to but I’m told we helped invent and perfect heavy metal as a result.  In 1980, I joined up with the teenage Victor Griffin and I feel that we took doom to another level.  We have fans who mainly love that 80s doom stuff the best.  The doom material was also from  the streets but those streets all led to the graveyard!  I am told we helped perfect “doom metal” at that time.  Of course we did all this with a “you can’t tell me what to do”-punk rock attitude.  It wasn’t called “punk” when we first started but that’s what it was.  It was the snotty attitude of the dirty American streets.   Punk, like the blues, is really just a feeling, a mindset.  “Curious Volume” is an album that captures all these elements of the band’s near 45 yr history.   How luck do I feel to be in my 60s and, according to you, putting out my best record?!  It is a very curious feeling indeed!  The title comes from “The Raven” by Edgar Allan Poe which is a favorite poem and poet of mine.

For my ears CV marks a change of style which is quite drastic. Instead of the customary Doom and Proto Metal we find strong elements of Hard Rock, Stoner Rock and even Punk. About your love for Wayne Kramer or The Dead Boys you have told me before, but it never showed in your music. Was it a decision you guys made consciously to go new ways musically or was it by accident?

 I think my last answer to the first question answers this.  Pentagram is not a one-trick pony.  I myself am a music lover.  For example, my favorite singer is Elvis Costello.  I love the original glam, punk, blues, electric blues, hard rock and on and on.  We are all well-rounded music listeners and we wanted an album that covered all that Pentagram is.

The other guys in the band seem to have had quite a big influence on this one. Victor wrote the lyrics for 7 out of 11 songs and Greg contributed too. Does that apply for the music as well?

Absolutely.  Pentagram is a band now more than ever.  Most of the Pentagram albums have been a portion of songs I wrote in the 70s and then new material.  I mainly just write lyrics now and luckily we’ve got Victor and Greg who also write.  One of my favorite songs from that last album, “Last Rites” was a Greg Turley number called “8”.   I’m a big fan of the guys in my band and I’d like to think it goes both ways.  Every member of this “team” from our manager to our European booking agent are fans of this band and I feel that it makes a difference. This is a family band and we all put something on the table.  It makes dinner much more satisfying!

Which Songs are from your famous 60s and 70s stash? Can you tell us something about the times and circumstances of their creation?

 5 out of the 11 songs are old numbers.  “Lay Down and Die” was formally “Baby, Baby, Lay Down and Die” when we played it in the 70s.   I like to have the listener make up their own mind on what a song is about.  I think it’s important for a fan to make the song their own so I took out the “Baby, Baby” part of the title party due to this concept.
“Earth Flight” is a Pentagram favorite of mine as well as the fans.  Geof O’Keefe, co-founder of the band and best known as the drummer from the 70s line up,  and I worked hard on that song in the 70s.  We wanted to write a song that was earthly but also unearthly.  I’m so happy that it finally has all those elements on it on the new album!
“Misunderstood” is an old early 80s punk rock song Victor Griffin and I used to play in Death Row.  We played it at CBGBs in the early 80s when we played with Government Issue and The Cro Mags!
I love early punk rock and I felt that the lyrics really relate to how the general public has perceived me throughout my life so it was fitting to finally put it on an album.
“Sufferin” is a song from the 70s as well.  Its another great song that I felt needed to be recorded properly.  In the early days, we didn’t get recording budgets.  Now that we finally have one, I wanted to take a few old numbers and breath new life in them.  Its also a song that lyrically, I felt that my fans could relate to.
“Because I Made It” is a song we recorded on a demo for Peaceville but then we never made the album.  It has become a fan favorite in the underground and when the team (band and management) voted for a track listing, everyone had it on their list so we banged it out!

Many of the lyrics read like a reckoning with your wife (“Misunderstood”, “Lay down and die”), even though you didn't write all of them. 

This is rock and roll.  This is life.  Life is the blues.  Metal, doom and a lot of rock n roll are based in the blues.  The blues is the sound of a broken heart and the sound of suffering and the sound of yearning.   These lyrics are sung by the voice of us all.  Some of it is more personal to me, that is very true but I think they are also personal to everyone who listens. 

How are you personally these days? I was very sorry to learn that both your parents were hospitalized earlier this year. I really hope they are well!

Life is the blues, man.  My folks are very near the end of their days and it's terribly sad, scary and stressful for me.  The band and my career are doing better than ever but we all are getting older. Day to day is what they say.  I try to take it all one step at a time.  It’s never easy.  These are some of the darkest days of my life.    I am separated from my wife and son at this time.  My days are very long lately. Thank God for my fans, they are all I’ve got right now.

The sound of a broken heart: Bobby Liebling.
In times of crisis do you ever feel tempted to use drugs again or not at all?

Absolutely! You don’t use drugs for 50 yrs or whatever its been and not long for them when the chips are down. Or when the chips are up. Day to day, I take things day to day. I am not perfect. I’ve slipped in the past and I may slip again in the future. I try to look to the light but it’s never easy.

Victor is back only one year after he left the band for good. How can this be?

Victor is my brother. He needed a hiatus to get some life issues together.  We told him when he left that the door would always be open.  If anyone understands it when someone needs to work on themselves, it is me.  We are very lucky to have Matt Goldsborough on deck.  He has grown in to a world class guitar player and rock star and we are blessed to have two fine guitar players in the band.  Victor is our main-main but Matt is also very much a part of the band.  As I’ve said before, this band is a family and we support each other when needed. We back each other up.

Victor told me in an interview in 2013 that his Christian faith had a lot to do with him leaving because he couldn’t relate to some aspects of the band anymore. You stated in an interview recently that you now found religion too. Was that a reason for him to come back?

Victor came back initially in 2010 when I found myself without a proper guitar player.  He stepped in to finished a tour and we triumphantly had the last show of that four gig tour recorded for the “When the Screams Come” dvd.  He told me then that we should drop all the negative imagery and I needed to get sober.  We did all that and look where it's gotten us? I have found God and he’s been a light when I needed it.  I don’t feel that you should ever use religion as a crutch but as a guide to get yourself out of the dark.  Victor came back to the band to help an old friend, which was me as well as the name “Pentagram”.  He ended up having a lot of fun and we’ve continued onwards.
I think it helps him to know that I’m not worshipping the devil anymore, that’s for sure but that’s not the main reason.  

What is his status in the band right now? Obviously he is not playing live. Why is that and isn't that situation a bit schizophrenic?

We are talking about when he should come back.  He is still very much a part of this band and he will continue to be.  He’s got tasks to do in his personal life and most likely spiritual life that he needs to take care of to fully be Victor Griffin.   If Victor is in the band, we all want him to be at full power so we are willing to wait for him to be fully ready to tour again.  In the meantime, we’ve got Matt Goldsborough who also kicks much ass!

Is there a chance that he will tour with Pentagram again?

Yes, maybe as early as this autumn.

What are your plans for the next 16 months? Will there be a fully-fledged tour?

TOURING!  We want to tour for this album until our wings fall off.  I’ve got a bobblehead coming out.  We have re-issues of “First Daze Here” and “First Daze Here Too” coming out in early 2016.  Maybe we’ll get a coffee table book out too.  I just know that realistically, I’ve got one maybe two years left of touring in me.  I want to take advantage of this opportunity while I can.  We all hope to see you in Europe very soon.  We’ll be there in August 2015 as well as November 2015 so come on out and party with us!
The Big Rock Blog and Bobby.