Freitag, 7. Juni 2013

Tracer: Grüner Daumen oder Fallobst?

Tracer als Königsmörder von AC/DC hochzuschreiben, wie das zurzeit an mancher Stelle geschieht, ist maßlos übertrieben. Diese Prozedur bleibt wohl aber keiner australischen Band erspart, die an ihren Amps die Distortion-Knöpfe höher als Stufe drei dreht (siehe Airbourne). Denn erstens erfindet das Trio aus Adelaide das Rad auch nicht neu – auch wenn recht breite Schlappen aufgezogen sind – und zweitens sind hier ganz andere Referenzen angebracht, als Angus und Co. Schiebt man „El Pistolero“ (Mascot) in den Aufnahmeschlitz des Abspielgeräts, springen einem aus den Boxen eher Soundgarden, Mötley Crüe mit John Corabi und Motörhead 2.0 (also die Post-Würzel Metal-Band) entgegen. An die Klangärtner aus Seattle erinnert dabei vor allem der Gesang von Michael Browne, aber auch Rhythmik und Struktur vieler Songs wurden ursprünglich auf deren Beeten gezogen. Aber macht ja im Grunde nix, solange die Ernte, sprich das Ergebnis stimmt. Leider fehlt den Tracer-Jungs der grüne Daumen, wenn es ans Hitschreiben geht: Der Titeltrack schlägt zwar eine ordentliche Schneise durch die Botanik, am Ende des Tages müsste dann aber doch noch mal mit einer ordentlichen Mistladung Rock´n´Roll nachgedüngt werden. Denn unter der Last von süßesten Songfrüchten biegen sich die Äste dann doch noch nicht gerade. Fallobst sind Tracer trotzdem nicht. Mit ein wenig liebevoller Pflege kann das Bäumchen noch weiter wachsen.

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