Montag, 29. Juli 2013

Auf zum Bull Run! - Das Stonewall Noise Orchestra live



Der Begriff Stoner Rock steht nicht gerade für Variantenreichtum: gepitchte Black Sabbath-Riffs, rollender Nockenwellen-Bass und Fallhammer-Drums bilden den Unterbau für meist Süßblatt-glorifizierenden Gesang. Repetitive Arrangements sorgen für Ekstase-Effekte, wie sie auch dem Blues eigen sind. Soweit, so monoton. Umso erquicklicher ist es, wenn es einer Band gelingt, innerhalb der engen Genre-Grenzen Neuland zu betreten – oder zumindest die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Das Stonewall Noise Orchestra gehört zu diesen Abweichlern. Wie es seinem Auftritt am vergangenen Freitag in der Alten Hackerei auf dem ehemaligen Schlachthofgelände unter Beweis stellte.
Das geht schon beim äußeren Erscheinungsbild der Orchestermusiker los: Fünf Männer mit verquollenen Augen und tätowierten Füßen stapfen auf die Bühne; entschlossen wie General Stonewall Jacksons Brigade in die erste Schlacht am Bull Run. Mauerblümchen sind das nicht: Die Gitarristen Mike und Snicke wetteifern offenbar um die Anita Pallenberg-Ehreninjektionsnadel für den besten Jung-Keef-Lookalike, Basser Jonas geht mit schwarzem Bart und Glatze glatt als Kerry King-Klon durch und Drummer Mr. Pillow – nun, der Name spricht für sich. Sänger (Achtung, kein Witz!) Singen schließlich erinnert mit rotem Bart und stechendem Blick ein wenig an Raimund Harmstorf; intoniert aber besser.
Musikalisch wandeln die fünf Schweden aus Borlänge auf dem Grat zwischen Heavy Metal und schwerem Bluesrock: Kyuss, QOTSA, Fu Manchu, die üblichen Verdächtigen. Aber  Songs wie „Good Ol´ Black Magic“ oder „Empire“ lassen mit beatlesken Einsprengseln und mäandernden Gesangslinien des Öfteren an den Ozzy Osbourne der 90er Jahre denken. Nur mit mehr Dampf im Kessel. Also in der Bong, meine ich. Hier und da schimmern noch Alice In Chains durch.Dazu klassischer Hardrock.
Dargeboten wird das Ganze mit der Chuzpe einer Jugendbande aus dem Plattenbau, aber ohne je unsympathisch oder gar arrogant rüberzukommen. Klasse Band. Komisch, dass sie bislang über den Geheimtipp-Status nicht hinausgekommen ist, obwohl der aktuelle Langspieler „Salvation“ schon das vierte Album ist.

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